Schema der Flugbahnkurve einer nicht eingeschossenen und einer eingeschossenen Waffe.

Ballistik

Letzte Aktualisierung: 28.10.2021

Zusammenfassung

Die Ballistik ist die Lehre von den geworfenen oder geschossenen Körpern. In der Jagd beschreibt sie das Verhalten der Geschosse beim Schießen. Die Innenballistik beschreibt die Bewegung des Geschosses im Lauf. Für den Rückstoß ist vor allem die Mündungsballistik verantwortlich. Die Treffpunktlage wird vor allem durch die Außenballistik bestimmt und die Wirkung im Wildkörper wir durch die Zielballistik beschrieben. Kenntnisse zur Ballistik sind die Grundlage zur sicheren und waidgerechten Jagdausübung.


Grundlagen

Allgemeines

  • Ballistik ist die Lehre von den geworfenen oder geschossenen Körpern.

Unterteilung

  1. Innenballistik → Bewegung des Geschosses im Lauf
  2. Mündungsballistik → Vorgänge beim Austritt aus der Laufmündung
  3. Außenballistik → Bewegung des Geschosses im Flug
  4. Zielballistik → Wirkung des Geschosses im Ziel

Innenballistik

  1. Schlagbolzen schlägt auf Zündhütchen
  2. Treibmittel (Pulver) verbrennt
  3. Anstieg des GasdrucksHöchster Gasdruck im Patronenlager
  4. Freiflug: Rotationsloser Geschossweg vom Hülsenmund bis zum Erreichen der Züge und Felder
  5. Rotationsbewegung (Drall) → Stabilisierung der Geschossflugbahn
  6. Schussentwicklungszeit: Zeit von der Zündung bis zum Austritt an der Mündung (ca. 0,002 Sekunden)

Mündungsballistik

  • Die Mündungsballistik sind die Vorgänge beim Austritt aus der Laufmündung.
  • Mündungsknall: Druckwelle (Gasdruck um 500 bar) bei Verlassen der Laufmündung
  • Geschossknall: Entsteht beim Durchbrechen der Schallgeschwindigkeit durch das Geschoss
  • Der Rückstoß entsteht durch rückwärts wirkenden Gasdruck.
    • Größter Einfluss auf den Rückstoß hat das Gewicht der Waffe
      • Schwere Waffe → Geringerer Rückstoß
    • Außerdem auch Lauflänge und Pulverladung
  • Büchsengeschossen haben eine sehr hohe Mündungsgeschwindigkeit (V ca. 700 – 1000 m/s).
  • Schrote haben eine geringe Mündungsgeschwindigkeit (V ca. 300-400 m/s).
    • Kleinere Schrote verlieren schneller an Geschwindigkeit.
Innenballistik, Mündungsballistik, Grafik

Außenballistik

Allgemeines

  • Die Außenballistik ist die Bewegung des Geschosses im freien Flug (→ Flugbahn).
  • Die Flugbahn ist das Abfallen des Geschosses während des Fluges durch abnehmende Geschossgeschwindigkeit und die Erdanziehung.
    • Es ist eine ungleichförmige Kurve mit steilerem Abfallen bei zunehmender Entfernung von der Mündung
  • Seelenachse: Gedachte Linie in Längsrichtung durch die Mitte des Laufes.
  • Visierlinie: Bei Feuerwaffen eine gerade Linie zwischen dem Auge des Schützen, der Visiereinrichtung und dem Zielpunkt
  • Wenn die Seelenachse und die Visierlinie parallel verlaufen, folgt ein Tiefschuss.
  • Deshalb werden Waffen mit einem Winkel zwischen Visierlinie und Seelenachse eingeschossen.
  • Streuung: Abweichung einer Serie von Treffern bei gleichem Haltepunkt.
  • Steighöhe: Bei senkrecht in die Höhe abgegebenem Schuss die Entfernung zwischen Laufmündung und höchstem Punkt des Geschosses.
Schema der Flugbahnkurve einer nicht eingeschossenen und einer eingeschossenen Waffe.

Einflussfaktoren auf die Flugbahn

  • Luftwiderstand
    • Geschossform
    • Wind
  • Erdanziehung (Schwerkraft)
  • Witterung (Wind)
    • Anfangsgeschwindigkeit (Geschoss)
    • Rohrerhöhung (Schusswinkel)
    • Drall

    LEWARD: Luftwiderstand, Erdanziehung (Schwerkraft), Witterung (Wind), Anfangsgeschwindigkeit (Geschoss), Rohrerhöhung (Schusswinkel), Drall

    Rasanz

    • Rasanz ist die Gestrecktheit der Flugbahn eines Geschosses
    • Einflussfaktoren
      1. Ausgangsgeschwindigkeit
      2. Geschossform (Widerstand)
      3. Geschossgewicht

    Beispielgeschosse mit hoher Rasanz

    KaliberGeschosstypGeschossgewicht
    6,5 × 68Teilmantel-Spitz6 g
    6,5 × 57 RTeilmantel-Spitz6 g

      Gefährdungsbereich

      Allgemeines

      • Der Gefährdungsbereich entspricht der höchsten Reichweite von Geschossen aus Schusswaffen.
        • Höchstreichweite: Entfernung zwischen Laufmündung und maximal entferntem Auftreffpunkt des Geschosses.
        • Höchste Reichweite wird bei einem Schusswinkel von 30 bis 35 Grad erreicht.
      • Die Streuung von Schroten erhöht die Breite des Gefährdungsbereichs.
        • Die Breite der Schrotgarbe entspricht etwa 1/6 der Schussentfernung.
        • Eine Schrotgarbe mit 2,5 mm Schroten hat auf 100 m eine Breitenausdehnung von etwa 18 m.
      • Gefährdung von Menschen und Sachen

      Übersicht

      MunitionHöchstschussweite
      JagdbüchsenpatronenBis zu 5.000 m

      Pistolen- und Revolverpatronen

      Bis zu 2.000 m
      Schonzeitpatronen1.500 m
      Flintenlaufgeschosse1.500 m
      4 mm Schrotpatronen400 m
      3 mm Schrotpatronen300 m
      2 mm Schrotpatronen200 m


      Zielballistik

      Allgemeines

      • Die Zielballistik ist die Wirkung des Geschosses im Ziel.
      • Je nach Geschoss (Einzelgeschoss oder Schrot) ist die tödliche Wirkung im Ziel anders.

      Primäre Schäden

      • Büchsengeschosse → Mechanische Zerstörung
      • Folgen: Organschäden und Blutverlust führen zum Tod
      • Einflussparameter:
        • Treffpunktlage
        • Zerlegung/Deformation des Geschosses → Energieabgabe
      • Siehe auch: Büchsenschuss

      Sekundäre Schäden

      • Schrotgeschosse → Nervenlähmung → Schocktod
      • Folgen: Sofortiger Tod
      • Einflussparameter:
        • Auftreffgeschwindigkeit
        • Energieabgabe
      • Siehe auch: Schrotschuss