Vögel cover

Einführung zu den Vögeln

Letzte Aktualisierung: 10.10.2021

Zusammenfassung

Vögel gehören zu den Wirbeltieren und sind wie die Säugetiere (z. B. das Haarwild) Warmblüter. Da ihr ganzer Körperbau auf das Fliegen ausgelegt ist, unterscheiden sie sich jedoch maßgeblich von den Säugetieren. Vögel haben sehr leichte, lufthaltige Knochen und einen besonders starken Brustkorb als Ansatz für die Flugmuskulatur. Auch das Federkleid dient dem Fliegen. Viele Vogelarten lassen sich durch dieses Federkleid unterscheiden. Der Federwechsel wird als Mauser bezeichnet. In der Balz, der Fortpflanzungszeit der Vögel, lassen sich häufig auffällige Gefieder der Männchen und ein artspezifisches Verhalten feststellen. Das Federwild umfasst alle jagdbaren Vogelarten.


Körperbau

Körpermaße

Körpermaße der Vögel

Skelett

  • Leichte Knochen → Flugfähigkeit
    • Lufthaltig (pneumatisiert)
  • 9 % des Gesamtgewichts
  • Starker Brustkorb als Ansatz für die Flugmuskulatur

Skelettteile (Fasan)

Skelettteile von Vögeln

Schnabel

Die Form des Schnabels ist charakteristisch für den Ernährungstyp.

FleischfresserKörnerfresserWurmzieherGrasfresser
Beispiele
Abbildung

Turmfalke mit Falkenzahn im Oberschnabel

Auerhahn mit grauem Gefieder

Waldschnepfe cover

Graugans

Flugskelett

  • Anspannung des starken Brustmuskels → Senken der Flügel
  • Anspannung des Rabenbeinmuskels → Anheben der Flügel
Flugskelett der Vögel
Flugskelett der Vögel 2

Flügel

Flügelgefieder

Innere Organe

Verdauungssystem

  1. Schnabel: Nahrungsaufnahme (unzerkleinert)
  2. Schlund: Abschlucken/Transport
  3. Kropf (im Halsbereich): Speicherfunktion und Einweichung (insbesondere bei Körnerfressern)
  4. Drüsenmagen: Nahrungsaufspaltung mit Hilfe von Verdauungssäften
  5. Muskelmagen: Mechanische Zerkleinerung (v.a. bei Körnerfressern)
    • Teilweise mit Hilfe von Magensteinen
  6. Dünndarm: Nährstoffentzug
  7. Dickdarm: Vor allem Wasserentzug
  8. Kloake: Ausscheidung von Kot und Urin (über die Harnleiter aus den Nieren) als Gestüber
    • Es gibt keine Harnblase
Verdauungssystem der Vögel

Vögel nässen nicht, da die Harnleiter direkt in die Kloake führen.

Bürzeldrüse

  • Die Bürzeldrüse liegt am Bürzel von Vögeln.
  • Das Sekret (Bürzelöl) der Bürzeldrüse schützt das Gefieder vor Austrocknung und Durchnässen.
  • Mit dem Schnabel wird das Bürzelöl über das Gefieder verteilt.

Atmung

  • Kein Zwerchfell (somit keine Trennung zwischen Brust- und Bauchhöhle)
  • Lunge befindet sich in Luftsäcken

Sinnesorgane

  • Stärkstes Sinnesorgan ist meist das Auge
  • Hören häufig gut

Federn

Allgemeines

  • Federn sind die Haare der Vögel.
  • Sie bestehen aus Hornbildungen.

Aufbau

  • Spule sitzt in der Haut
  • Schaft liegt frei
  • Hohle Seele im Federkiel
  • Strahlen untereinander verzahnt
Aufbau von Federn

Federarten

FunktionOrtAbbildung
Großgefieder – Schwingenfeder
  • Fliegen
  • An den Flügeln (Schwingen)
Schwingenfeder
Großgefieder – Steuer-/Stoßfedern
  • Steuern
Kleingefieder – Deckfedern
  • Wasserschutz
  • Kälteschutz
  • Am ganzen Körper
Deckfeder
Kleingefieder – Dunen
  • Kälteschutz
  • Ganzer Körper, außer Flügel
Dune

Stoßformen

  • Stoß: Als Stoß werden die Federn am Schwanz von Vögeln bezeichnet.
Stoßformen der Vögel

    Gefiederfärbung

    • Unterschiede zwischen Alt und Jung
    • Geschlechtsspezifische Unterschiede einiger Arten fallen besonders während der Balzzeit und Brutzeit auf.
      • Männchen mit auffälligem Balzgefieder
      • Weibchen unauffällig und angepasst an die Umgebung (Deckung am Brutplatz)

    Fortbewegung

    Fliegen

    • Heimisches Federwild ist flugfähig.
    • Greifvögel sind herausragende Flieger.
    • Hühnervögel sind gute Flieger und Läufer.
    • Enten und Gänse sind gute Flieger und Schwimmer.
    Flugverhalten
    • Gleitflug: Nutzung großer Tragflächen
    • Segelflug: Nutzung von Thermik
    • Schlagflug: arttypisches Bild der Flügelbewegung
    • Rüttelflug: einige Greifvögel können so an einer Stelle in der Luft „stehen“
    Typische Flugbilder

      Ernährung

      Allgemeines

      • Vögel haben einen sehr hohen Energiebedarf
      • Großer Nahrungsbedarf
      • Schnelle Verdauung

      Ernährungstypen

      • Körnerfresser
      • Pflanzenfresser
      • Fleischfresser
      • Allesfresser

      Die Ernährungstypen können sich je nach Alter des Vogels unterscheiden (z.B. Auerwild: Jung → proteinreiche Insekten, alt → pflanzlich).

      Gestüber, Geschmeiß und Gewölle

      • Losung: Bezeichnung des Kots von Auerwild
      • Gestüber: Kot aller Hühnervögel, Entenvögel und Tauben
      • Geschmeiß: Kot bei Greifvögeln, Reihern, Möwen und Kormoranen
      • Urin (Harn) ist als weißer Überzug auf dem Kot der Vögel erkennbar
      • Blinddarmlosung: Breiige blauschwarze bis schwärzliche Losung von Hühnervögeln und Entenvögeln
      • Gewölle: Ballen aus unverdaulichen Nahrungsresten (Federn, Haare, Knochen) bei Fleisch fressenden Vögeln, die ausgewürgt werden
        • Eulengewölle: Grob, teils ganze Knochen
        • Taggreifgewölle: Feiner

      Lebensweise

      Lebensansprüche

      • Kulturfolger
        • Anpassungsfähig
        • Kulturlandschaft ist geeignetes Biotop
      • Kulturflüchter
        • Kaum anpassungsfähig
        • Kulturlandschaft ist kein geeignetes Biotop

      Mauser

      • Die Mauser ist der Wechsel des Gefieders bei Federwild.
      • Vollmauser: Gleichzeitiges Wechseln von Großgefieder und Kleingefieder
        • Sturzmauser: Wechsel des Gefieders in 2 bis 3 Monaten
      • Teilmauser: Abschnittsweiser Wechsel des Gefieders

      Die Voll- oder Sturzmauser führen zur zeitweisen Flugunfähigkeit oder zumindest Flugbehinderung.

      Zugverhalten

      • Standvögel: Ganzes Jahr an einem Ort (z.B. Fasan)
      • Strichvögel: Standortwechsel je nach Wetter und Nahrungsangebot
      • Zugvögel: Erscheinen in unserer Heimat im Frühjahr und ziehen im Herbst weg
      • Teilzieher: Nur Teile der Population beteiligen sich am Vogelzug
      • Wintergäste: Zugvögel, die in unserer Heimat überwintern

      Vogelzug

      • Definition: Alljährlicher Flug von Zugvögeln von ihren Brutgebieten zu ihren Winterquartieren und zurück
      • Einige Arten haben typische Flugformationen.

      Fortpflanzung

      Paarungszeit: Balz

      • Balzzeit: Paarungszeit der Vögel
      • Meist im Frühjahr
      • Männliches Stück
        • Balzgefieder (z.B. Stockenten)
        • Balzverhalten
        • Balzflüge
      • Geschlechtsdimorphismus: Deutliche Geschlechterunterschiede (z.B. Gefiederfärbung oder Körpergröße)
      Balz Fasan

      Paarbildung

      • Einehe (Monogamie): Bindung mit einem festen Partner
        • Brutehe: Paarbindung bis zur Selbstständigkeit der Jungen
        • Jahresehe: Paarbindung für ein Jahr
        • Saisonehe: Paarbindung über mehrere Bruten einer Saison
        • Dauerehe: Lebenslange Paarbindung (z.B. Adler)
      • Vielehe (Polygamie): Ein Männchen bildet Paare mit mehreren Weibchen (z.B. Fasan)
      • Keinehe: Lediglich Begattung ohne weitere Paarbindung
      • Verlobungszeit: Zusammenfinden bereits vor Beginn der Paarungszeit (z.B. Stockente und Haselwild bereits im Herbst)

      Paarung

      • Vögel besitzen keine äußeren Geschlechtsteile (Ausnahmen: Enten und Gänse).
        • Zur Begattung werden die Kloaken beider Geschlechter aufeinander gepresst.
      • Vögel sind nicht lebend gebärend.
        • Bebrütung von Eiern
      Paarung Vögel

      Jungtierentwicklung

      Brut

      • Brutzeit: Je größer die Vogelart, desto länger die Brutzeit.
      • Unterscheidung nach Brutverhalten
        • Koloniebrüter: Gemeinschaftlich brütende Vogelarten (z. B. Möwen, Kormorane)
          • Kolonien bieten Schutz vor Feinden
        • Einzelbrüter: Einzeln brütende Vogelarten (z. B. Tauben)
      • Unterscheidung nach Brutort
      • Brutteilung: Unterschiede zwischen geschlechtsabhängiger Verteilung der Brutarbeit
        • Enten → Weibchen brüten
        • Tauben → Beide Geschlechter brüten
      • Brutschmarotzer: Ausbrüten durch andere Art (z.B. Kuckuck)
      • Große Arten → Späte Geschlechtsreife
      • Kleine Arten → Kurze Lebenserwartung

      Je größer die Vogelart, desto länger die Brutzeit.

      Fischadler NestBlässhuhn brüten Nest

      Eiaufbau

      Ei

      Entwicklung im Ei

      • Embryoentwicklung durch Brutwärme
      • Nährstoffversorgung über Eiweiß und Dotter
      • Entwicklung des Eizahns, um Eierschale kurz vor dem Schlüpfen aufzubrechen

      Wachteleier

      Schlüpfen

      • Küken piepsen bereits vor dem Schlüpfen
      • Eizahn zum Aufbohren der Eischale
      • Hudern: Das Wärmen der Jungen durch die Eltern
      • Verleiten: Weglocken von Fressfeinden vom Gelege/Jungvögeln durch flugunfähig simulieren der Eltern

      Schlüpfen Vogel

      Nesthocker, Platzhocker und Nestflüchter

      NesthockerPlatzhockerNestflüchter
      VerhaltenVerbleiben im NestVerlassen das Nest und verbleiben in der NäheVerlassen das Nest
      BefiederungNacktBefiedert (Dunenkleid)Befiedert (Dunenkleid)
      AugeBlindSehendSehend
      ErnährungFütterungFütterungSelbstständig
      FlugfähigkeitSpät (ggf. mit Ästlingszeit)SpätFrüh
      SelbstständigkeitGeringMittelHoch
      Beispiele
      AbbildungMäusebussard NestStockenten Küken

      Waidmannssprache

      WaidmannsspracheLaiensprache
      FederwildSammelbegriff für alle jagdbaren Vogelarten
      EinfallenFederwild lässt sich nieder (Baum, Wasser)
      Ziehen, StreichenFliegen beim Federwild
      Aufstehen, Abstreichen, AbbaumenAbfliegen von Federwild (Fortfliegen)
      AusschwingenAbfliegen von zum Hochwild gehörenden Federwild (Auerwild, Steinadler)
      Flug, TruppGruppe von Federwild
      ScharMehrere Flüge von Federwild
      TretenBegatten bei Federwild
      Ausfallen, AuskommenSchlüpfen von Federwild
      VerschweigenInnehalten von Lautäußerungen bei Balz und Brunft