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Rotwild

Letzte Aktualisierung: 20.11.2021

Zusammenfassung

Der Rothirsch wird auch als König des Waldes bezeichnet, obwohl das Rotwild früher Steppen besiedelte. Erst der Druck durch den Menschen machte ihn zum Waldbewohner. Eindrucksvoll ist das Geweih des Rothirsches und eine beliebte Trophäe. Rotwild lebt gesellig in geschlechtergetrennten Kahlwild- und Hirschrudeln. Zur Brunft kommt es zu ausgeprägtem Rangkämpfen und die typischen Brunftlaute sind weit zu hören. Je nach Bundesland werden die Rotwildbestände in gesetzlich ausgewiesene Bezirke gedrängt.


Allgemeines

Begriffe

Hirsch, RothirschMännliche Tiere
Tier, KahlwildWeibliche Tiere
Kalb (Hirschkalb/Tierkalb)Jungtier bis zum 31.03. des 1. Lebensjahres
Schmalspießer (1. Kopf)Männliches Rotwild im 2. Lebensjahr
Schmaltier/SchmalstückWeibliches Rotwild im 2. Lebensjahr
AlttierEin über zweijähriges weibliches Stück bei Rotwild, Damwild oder Elchwild.

Zoologische Zuordnung

OrdnungPaarhufer / Schalenwild
UnterordnungWiederkäuer
FamilieHirsche
UnterfamilieEchte Hirsche

Körpermaße

  • Unterschiede je nach Standort und Äsung
  • Wachstum bis etwa 6 Jahre
GrößeHöhe (Widerrist)1,0 – 1,5 m
Länge1,8 – 2,1 m
GewichtLebend
  • ♂ bis zu 250 kg
  • ♀ deutlich geringer
Aufgebrochen
  • ♂ bis 150 kg
  • ♀ deutlich geringer

Aussehen

Haarkleid

  • Verfärbt zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst (Oktober)
  • Sommerdecke: Rotbraune Decke
  • Winterdecke: grau bis graubraune Decke
  • Unterseite ist heller als Oberseite
  • Kälberfleckung: Weiße Tarnflecken von Kälbern bis zum ersten Haarwechsel

Körperteile

Hier folgt demnächst noch eine Grafik.

WaidmannsspracheLaiensprache
BrunftmähneMarkantes Merkmal an der Unterseite des Trägers beim Hirsch in der Winterdecke
BrunftfleckDunkle Verunreinigung um die Brunftrute herum

Geweih

Allgemeines

ZukunftshirschHirsch mit guter Veranlagung und erwarteter starker Trophäe
AbschusshirschHirsch mit schlechterer Veranlagung und voraussichtlich schwächerer Trophäe
Mönch/PlattkopfRothirsch, der kein Geweih entwickelt
Kolbenhirsch/BasthirschRothirsch im Bast

Jahreszyklus

  • Februar/März: Geweihabwurf
    • Erinnere: Alt vor Jung
  • Sommer: Folgegeweih wächst ab März im Bast
    • Kolbenzeit → Kolbenhirsche
    • Streitigkeiten werden – wie bei den Rottierenmit den scharfkantigen Vorderläufen ausgetragen.
    • Wachstum Ende Juli abgeschlossen
  • Juli/August: Fegezeit
    • Zwischen Geweihabwurf und verfegen des neuen Geweihs vergehen etwa 5 Monate.
  • September/Oktober: Brunftzeit

Rotwild_Abwurfstange_Von Rotwild HirschrudelRothirsch fast vollständig verfegtes Geweih

Aufbau

Schema des Hirschgeweihs. Aus dem Stirnbein stehen die Stirnzapfen hervor. Aus diesen wird das Geweih geschoben. Die Rosen sind kranzförmige Verdickungen an der Stangenbasis. Die Enden des Geweihs werden als Sprosse bezeichnet. Immer vorhanden sind Augspross und Mittelspross. Eisspross und Wolfsspross sind je nach Anlage des Hirsches ausgebildet. Endet eine Stange mit zwei Endsprossen, so spricht man von einer Gabel. Endet sie mit drei und mehr Endsprossen spricht man von einer Krone.

Aufbau des Rothirschgeweihs

Entwicklung

Allgemeines

  • Anzahl der Enden ist unabhängig vom Alter
  • Bestimmung der Endenzahl durch Verdopplung der Enden an der endenreichsten Stange
  • Beispiel: 14-Ender
    • Gerader 14-Ender: 7 + 7
    • Ungerader 14-Ender: 6 + 7
  • Eissprossenzehner: 10-Ender, der anstelle von einer Krone eine Gabel an der Spitze hat und zusätzlich eine Augsprosse, Eissprosse und Mittelsprosse.

Übersicht

LebensjahrKopf Geweih
1.
  • 0. Kopf
2.
  • 1. Kopf
3.
  • 2. Kopf
10. - 14.
  • 9. – 13. Kopf

Der Hirsch vom 1. Kopf (Erstes Geweih, zweites Lebensjahr) hat keine Rosen. Die Folgegeweihe haben Rosen.

Bewertung der Entwicklung

MerkmalGute EntwicklungSchlechte Entwicklung
Stangen
  • Lang
  • Gleichmäßig
  • Kurz
  • Unterschiedlich lang
Enden
  • Stumpf
  • Spitz
Oberfläche
  • Leichte Perlung
  • Keine Perlung
Sprossen
  • Mehrere und stärkere Sprossen
  • Weniger und schwächere Sprossen
Verbindungslinie der Sprossen
  • Viereckig
  • Dreieckig
Mittelspross
  • Mittige Lage
  • Hohe Lage
Masse
  • Schwer
  • Leicht
Schwerpunkt
  • Hoch
  • Tief
1. Kopf (2. Lebensjahr)
  • Hohe Spieße (selten Gabler)
  • Niedrige Spieße
2. Kopf (3. Lebensjahr)
  • Sechser
  • Teils Achter
  • Gabler
  • Geringer Sechser
3. Kopf (4. Lebensjahr)
  • Achter – teils mit Krone
  • Geringer und keine Krone

Gute veranlagter SchmalspießerZwei SchmalspießerMittelalter HirschSehr gut veranlagter jüngerer RothirschSehr gut veranlagter Hirsch

Vergleich Spießer des 1. und 2. Kopfes

Merkmal1. Kopf2. Kopf
SpießeVerlängerung der RosenstöckeKrümmung nach hinten
Auslagegeringdeutlich
Rosenkeinevorhanden
Abwurfbasis kurzlang

Bewertung

Kriterien

  • Länge: Stangen, Aug- und Mittelspross
  • Auslage
  • Umfang: Rosen und Stangen
  • Kronenenden
  • Geweihgewicht (mit kurz gekapptem Schädel)
  • Schönheitspunkte
    • Vorhandensein eines Eissprosses
    • ausgeprägte Perlung
    • bestimmte Farbtöne
Kriterien für die Bewertung der Geweihentwicklung von Rothirschen


Gebiss

Typisches Wiederkäuergebiss

Milchgebiss

Schema des Milchgebisses von Rotwild. Das Milchgebiss der Rotwildkälber ist erst nach 4 Monaten vollständig ausgebildet. Kennzeichnend sind der dreiteilige hinterste Prämolare (p4) und das Fehlen der hinteren Backenzähne (Molare). Der erste und zweite Molare (M1 und M2) werden im vierten bis zwölften Lebensmonat geschoben. Der hinterste Molare (M3) beendet den Wechsel auf das Dauergebiss am Ende des zweiten Lebensjahres.

Schema des Milchgebisses von Rotwild

Dauergebiss

Das Gebiss des Rotwildes ist ein typisches Wiederkäuergebiss. Beim Wechsel vom Milchgebiss zum Dauergebiss wird der dreiteilige P4 auf einen zweiteiligen Zahn gewechselt. Zuletzt wird der dritte Molare (M3) geschoben, sodass die Zahnentwicklung mit Ende des 2. Lebensjahres abgeschlossen ist.

Dauergebiss des Rotwilds

Altersschätzung

AlterMerkmal
4. MonatVollständiges Milchgebiss
5. MonatSchieben des M1
10. Monat Schieben des M2
16. Monat Wechsel des I und C
24. Monat Schieben des M3
28. Monat Wechsel des P2 bis P4
30. MonatVollständiges Dauergebiss

Rotwild wird nur mit den Schneidezähnen und Unterkiefereckzähnen gesetzt. Das restliche Milchgebiss entwickelt sich in den ersten vier Monaten.


Ernährung

Allgemeines

  • Zwischentyp der Wiederkäuer
  • Reduktion der Bewegung und des Stoffwechsel im Winter
    • geringster Nahrungsbedarf im Januar/Februar
  • Erhöhter Energiebedarf nach der Brunft im Oktober/November

Nahrung

Losung

  • Abhängig von Äsung und Gesundheit
  • Sommer: weich
  • Winter: hart und fest (durch geringen Wasseranteil)
  • Dunkel bis schwarzgrün
  • Hirschlosung: Form einer Eichel mit Zäpfchen und Näpfchen
  • Tierlosung: länglich, walzenförmig

Rotwild Losung


Lebensraum und Lebensweise

Vorkommen

Verhalten

  • Standorttreu, aber Standortwechsel mit teilweise großen Wanderungen
    • Beispiel: Unterschiedlicher Sommer- und Wintereinstand im Gebirge
    • Faktoren: Jahreszeit, Brunft, Wind, Wetter, Beunruhigen, Äsung
  • Vorwiegend dämmerungs-/nachtaktiv
    • von Natur aus tagaktiv
  • Bedürfnis zu Suhlen
  • Feistzeit: Zeit zwischen Fegen und Brunft in der Hirsche im Feisthirschrudel viel Äsung aufnehmen (Juli/August)
    • Teilweise wird auch die Zeit nach der Brunft und vor dem Wintereinbruch als Feistzeit bezeichnet (Oktober/November)
    • Feisthirsche: Rothirsche in der Zeit vor der Brunft
  • Natürliche Altersgrenze: 18 bis 20 Jahre

Rotwild HirschrudelRotwild Brunftrudel 2

Rudel

  • Rotwild lebt in Rudeln. (bis zu 100 Tiere)
  • Kahlwildrudel: Alttiere, Schmaltiere, Kälber, teils Schmalspießer
  • Hirschrudel
    • Anführer: Jüngster Hirsch, bei Gefahr ältester Hirsch
    • Bildung von kleineren Trupps nach Alterszugehörigkeit
  • Brunftrudel: Kahlwildrudel mit Platzhirsch

Waidmannssprache

RudelGruppe von Schalenwild (außer Schwarzwild) oder Wölfen
LeittierWeibliches Stück, welches ein Rotwild- oder Damwildrudel anführt.

KahlwildWeibliches Rotwild mit Jungwild

Fortpflanzung

Paarungszeit: Brunft

  • Brunftzeit: Mitte September bis Mitte Oktober (ca. 2-4 Wochen)
  • Brunftschrei: beim Suchen und zur Revierbehauptung
  • Brunftkämpfe: Imponierverhalten und Rangordnungskämpfe
  • Vorbrunft sobald sich Brunftrudel bilden
  • Aktivere Brunft bei kalten Bedingungen mit Frost und klarem Himmel
  • Besonders aktiv abends, nachts und morgens

Rothirsch BrunftkampfRotwild TreibenRotwild Brunftrudel 2

Jungtierentwicklung

  • Tragzeit: 8 Monate
  • Setzzeit: Mai bis Juni
  • 1 Kalb pro Alttier (selten 2 Kälber)
  • Gelttier: unfruchtbares oder nicht führendes Tier
  • Rotwild gehört zum Ablegetyp
  • Zuwachs: 70 – 90 %

Hochbeschlagenes RotwildtierRotwildtier

Waidmannssprache

ForkelnVerletzen eines anderen Rothirsches mit dem Geweih beim Kampf
PlatzhirschStärkster Hirsch am Brunftplatz
TreibenVerfolgen des brunftigen Tiers durch den Hirsch (oder Rehbock)
BeschlagenBegatten bei Paarhufern
SetzenGebären bei Paarhufern


Praxistipps

Ansprechen

Männliches Rotwild

Merkmaljüngerälter
Körperbauschlanker, vertikalermassiger, horizontaler
Trägerdünner, nach oben gestrecktdicker, kürzer, horizontaler
Mähnekeine, wenigmehr, kräftig
Rückengeraderbuckliger mit Widerrist
Hauptspitzerstumpfer
Körperschwerpunktausgeglichenerweiter vorne
FegezeitpunktSeptemberAugust bis Ende Juli
RudelKahlwildrudelHirschrudel, allein (Ausnahme: Brunft)
Verhaltenunaufmerksamer, verspielter

heimlicher, vorsichtiger

Beispiele

Rotwild Junghirsch BastRothirsch Bast zwei

Rotwild BrunftmähneRothirsch

Weibliches Rotwild

  • Grundlagen vergleichbar mit männlichem Rotwild
    • Aber: Schwierig und erfordert viel Erfahrung
SchmaltiereAlttiere
  • Gesäuge (Juni bis Oktober)
  • längeres, stumpferes Haupt

Die Unterscheidung von Schmal- und Alttier ist sehr schwierig. Um unwaidmännisches Verhalten zu vermeiden, sollte man im Zweifel den Finger gerade lassen!

Pirsch

Sinnesorgane

  • Gesichtssinn: Äugt gut, aber vorwiegend Bewegung
  • Geruch: Windet sehr gut
  • Gehör: Vernimmt sehr gut

Lautäußerungen

  • Schrecken: Laut bei Beunruhigung bei Paarhufern
  • Mahnen: Warnruf für die Kälber, der meist vom Alttier ausgestoßen wird
  • Klagen: Laut bei Angst oder Schmerzen von Paarhufern (hauptsächlich Kalb)
  • Laute des Brunfthirsches
    • Trenzen/Knörren: Leiser Ruf
    • Röhren/Schreien/Orgeln: Lauter Ruf

Fährte

Rotwild Fährte

Hirschgerechte Zeichen

  • Definition: Typische Merkmale der Fährte, welche Rückschlüsse auf die Art der Bewegung und auf das Alter des Wildes ermöglichen
  • Tritt des Vorderlaufs (VL) stärker und etwa 1 cm breiter als vom Hinterlauf (HL)
BezeichnungMerkmalAbbildung (einseitig)Typisch für
ÜbereilenHL weit vor VL

Übereilen

junges Stück
VierballenzeichenHL etwas vor VL, Ballen schließen aneinander an

Vierballenzeichen

mittelaltes Stück
ZurückbleibenHL bleibt hinter VL zurück

Zurückbleiben

hoch beschlagene Tiere
BeitrittHL neben VL

Beitritt

Feisthirsch
KreuztrittHL neben VL und bleibt zurück

Kreuztritt

alter Feisthirsch


Waidmannssprache

Waidmannssprache

Laiensprache

Aalstrich

Dunkler Strich auf dem Rücken bei Paarhufern

Plätzen

Entfernen von Schnee oder Bodenbewuchs durch Wegschlagen mit den Vorderläufen bei Schalenwild