Reh cover

Rehwild

Letzte Aktualisierung: 28.05.2022

Zusammenfassung

Rehe sind die häufigste und kleinste Art der Hirsche in Europa. Als Trughirsche sind sie näher mit dem Elch verwandt als mit dem Rotwild. In der Sommerdecke ist es rotbraun und im Winter graubraun mit weißem Spiegel. Duftdrüsen an Stirn und Läufen dienen der Markierung des Reviers und dem Jagdhund als Fährte. Als Konzentratselektierer lebt das Rehwild im Sommer einzeln. Auch die Brunft der Rehe – die Blattzeit – findet Einzeln statt. Da die Rehkitze häufig im Grünland abgelegt werden besteht leider eine hohe Ausmähgefahr, welcher mit modernen Technologien entgegengewirkt wird.

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Allgemeines

Begriffe

Bock, RehbockMännliches Reh
Ricke, Geiß, AltrehWeibliches Reh
JährlingBock des 2. Lebensjahres
SchmalrehRicke/Geiß des 2. Lebensjahres
KitzJungtier bis zum 31.03. des 1. Lebensjahres

Zoologische Zuordnung

OrdnungPaarhufer / Schalenwild
UnterordnungWiederkäuer
FamilieHirsche
UnterfamilieTrughirsche

Körpermaße

  • Unterschiede je nach Standort und Äsung
  • Wachstum bis etwa 6 Jahre
  • Höhe (Widerrist): 60 – 80 cm
  • Gewicht: 14 – 20 kg
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Aussehen

Haarkleid

  • Verfärbt zweimal jährlich im Frühjahr (Mai/Juni) und Herbst (September/Oktober)
    • Wild in guter Verfassung verfärbt vor Wild in schlechter Verfassung.
    • Vereinfachung: Jung verfärbt vor alt.
  • Sommerdecke
    • Gelb-rot bis rotbraun
    • Spiegel kaum erkennbar
    • Unterseite heller
  • Winterdecke
    • Grau bis graubraun
    • Spiegel weiß
    • Unterseite eher heller
  • Kälberfleckung: Weiße Tarnflecken von Kälbern bis zum ersten Haarwechsel
  • Ausnahmen
    • Selten: Schwarzes Rehwild (Nordwestdeutschland)
    • Sehr selten: Albinos und Schecken

Rehbock im SommerkleidRehwild Ricke WinterkleidRicke verfärben

Jung verfärbt vor alt.

Körperteile

Körperteile des Rehwildes
  • Das Geweih des Rehbocks wird auch als Gehörn bezeichnet.
  • Pinsel: Männliches Geschlechtsteil beim Rehbock und Keiler
  • Kurzwildbret: Äußere Geschlechtsteile des männlichen Schalenwildes
  • Weißer Spiegel
    • ♂: Nierenförmig
    • ♀: Herzförmig, mit Schürze
  • Muffelfleck: Weißer Fleck am Nasenrücken einzelner Rehböcke

Spiegel des RehbocksSpiegel und Schürze der Ricke

Duftdrüsen

  • Funktionen
    1. Reviermarkierung
    2. Anlocken der Partner
  • Aufbau
    1. Stirnorgan (Stirn)
      • Nur beim Rehbock
      • Reviermarkierung beim Fegen
      • Markierung des Einstandes
    2. Klauensäckchen (zwischen den Schalen der Läufe) → Duftfährte
      • Beide Geschlechter
    3. Laufbürste (Sprunggelenk der Hinterläufe) → Duftfährte
      • Beide Geschlechter
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Geweih

Allgemeines

  • Das Geweih wird beim Rehwild auch Gehörn genannt.
  • Nur der Rehbock trägt ein Gehörn.
  • Die Färbung entsteht durch Pflanzensäfte beim Fegen.
  • Gehörnstufen: Summe der Enden der endenreichsten Stange verdoppeln
    • Beispiel 1: 2 x 3 Enden = gerader Sechser
    • Beispiel 2: 3 + 2 Enden = ungerader Sechser
  • Stärkstes Gehörn mit 3 bis 6 Jahren
Bild eines geraden Sechsers

Jahreszyklus

  • Oktober bis Dezember: Geweihabwurf
  • März/April (teils bis Juni): Fegezeit
    • Entfernen des Bastes vom Gehörn
    • Markierung des Einstandes (Duftdrüse)
    • Zur Reviermarkierung wird auch nach Abstreifen des Bastes gefegt.
Rehbock Bast

Alt fegt vor Jung.

Im Gegensatz zum Rotwild findet die Geweihentwicklung in der äsungsarmen Winterzeit statt.

Aufbau

Aufbau des Geweihs/Gehörns beim Rehbock

Entwicklung

Allgemeines

  • Erstlingsgehörn: Gehörn des Bockkitzes im 1. Jahr
  • Jährlingsgehörn: Erstes Folgegehörn
    • Je nach Veranlagung Knopfbock oder Spießer bis schwacher Sechser
    • Rosen vorhanden
  • Knopfbock: Gehörn entspricht einem „Knopf“
    1. Verbliebenes Erstlingsgehörn (dann keine Rosen)
    2. Als schlechte Entwicklungsvariante (mit Rosen)
  • Knopfböcke können in jedem Alter vorkommen

Erstlingsgehörn (Zeitverlauf)

Monat

Alter

Gehörn

August/September

  • 3. Monat

Oktober/November

  • 5/6. Monat

November/Dezember

  • 6./7. Monat

Januar/Februar

  • 7./8. Monat

Februar bis April

  • 8. – 10. Monat

Das Rehwild ist der einzige heimische Geweihträger, der bereits im ersten Lebensjahr ein Geweih schiebt.

Beurteilung

  • Unterscheidung in gute und schlechte Entwicklung
  • Ursachen
    • Vor allem Ernährung
    • Auch Erb- und Umweltfaktoren
Rehbock Spießer
Rehbock Gehörn

Bestimmung des Alters am Gehörn

KriteriumJunger Bock Alter Bock
Rosenstockhöhe langkurz
Rosenstockdurchmesserkleingroß
Stirnnahtsichtbarkaum sichtbar durch Verknöcherung

Es gibt noch weitere Merkmale zur Altersansprache, die allerdings deutlich unsicherer sind. Einige Beispiele beim alten Bock sind:

  • Größere Masse des Gehörns
  • Verteilung der Masse ist näher an der Basis
  • Nasenbein ist flacher und breiter

Gehörnformen

FormAbbildung
Gerade und parallelRehbock gerade - parallel
Gerade und ausgelegt (v-förmig)Rehbock gerade - ausgelegt
EiformRehbock Eiform
KorbformReh Korbform
LyraformRehbock Lyraform
Geschnürte Form
Kreuzgehörn
Marschierendes Gehörn Rehbock - marschierendes Gehörn

Bewertung

  • Basiert auf Formeln nach Punkten
    • Bieger Formel
    • Internationale Formel

Kriterien

  • Stangenlänge
  • Auslage
  • Gehörngewicht
  • Gehörnvolumen
  • Schönheitspunkte: Farbe, Rosen, Spitzen der Enden
  • Zuschläge/Abzüge: Enden, Regelmäßigkeit, Gehörnform, Gehörnmasse

Regelwidrigkeiten

  • Ursachen
    • Hormonstörung/Stoffwechselstörung
    • Körperverletzungen
    • Weitere Ursachen
  • Gehörn im folgenden Jahr ist die Grundlage für die Beurteilung der Regelwidrigkeit (Folgegehörn).

Hormonstörung/Stoffwechselstörung

  • Häufig ist das Folgegehörn ebenfalls regelwidrig.

Bezeichnung

Merkmal

Ursache

Folgegehörn

Perückengehörn
  • Ungebremstes Geweihwachstum
  • Späteres Absterben und eitriger Zerfall
Ausfall des männlichen Sexualhormons (z.B. bei fehlenden Brunftkugeln)
  • Geweih wird nicht abgeworfen
  • Abschussbock (geht irgendwann ein)

Korkenziehergehörn

Stangen verdreht

Stoffwechselstörung und Parasitenbefall

Abschuss, da Gesundheitsstörung

Widdergehörn

Stangen verdreht

Störung der Verknöcherung

Abschuss, da Gesundheitsstörung

Körperverletzungen

  • Ort der Verletzung ist entscheidend für das Folgegehörn.
  • Verletzung des Geweihs → voraussichtlich normales Folgegehörn
    • Stangenbruch → Einstangengehörn
    • Rosenstockbrüche
  • Verletzung des Bastgeweihs (Kolben) → Voraussichtlich normales Folgegehörn
    • Vielendigkeit
    • Knickbruch
    • Pechgeweih:
    • Blasengeweih: Entzündungen am Bastgeweih durch Verletzungen oder Insektenstiche
  • Verletzung von Rosenstock oder Schädel → voraussichtlich abnormales Folgegehörn
    • Rosenstockbruch → Einstangengehörn
    • Fehlender Rosenstock → Einstangengehörn
    • Anlagefehler des Stirnbeins → Stangenverwachsung
    • Verletzung des Stirnbeins → Mehrstangengeweih

Weitere Ursachen

  • Ledergeweih: Bast wird nicht richtig verfegt
  • Frostgeweih: Die Stangen enden oberhalb der Rosen. Als Ursachen kommen Erfrierungen des Bastgeweihs und Stoffwechselstörungen infrage.

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Gebiss

Typisches Wiederkäuergebiss

Milchgebiss

  • Der dritte Prämolare (p4) ist im Milchgebiss dreiteilig.
Milchgebiss des Rehwild

Das Rehkitz wird mit dem kompletten Milchgebiss geboren.

    Dauergebiss

    Dauergebiss des Rehwild

    Altersschätzung

    AlterMerkmal
    3. MonatSchieben des M1
    5. MonatWechsel des I1
    6. MonatSchieben des M2
    8. MonatWechsel des I2
    10. MonatWechsel des I3
    11. MonatWechsel des C
    12. MonatSchieben des M3
    13. MonatWechsel von P2 – P4
    14. MonatVollständiges Dauergebiss

    3 – 6 – 12 (Schieben der Molaren M1-M3)

    Die Alterseinschätzung anhand des Gebisses ist aufgrund des Zahnwechsels im ersten Lebensjahr sehr genau. Danach sind Rückschlüsse aufgrund des Zahnabriebs deutlich gröbere Schätzungen.

    Geschlechtsunterscheidung

    • Winkelfortsatz des Unterkieferastes
      • ♂ - Winkelfortsatz zeigt nach unten (Furche)
      • ♀ - Winkelfortsatz zeigt nach hinten (keine Furche)
    Geschlechtsunterscheidung des Rehwildes anhand des Winkelfortsatzes am Kiefer
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    Ernährung

    Allgemeines

    • Konzentratselektierer
      • energie- und nährstoffreich
      • leicht verdaulich
    • Jahresverlauf
      • Höchste Nährstoffaufnahme im Herbst
      • Geringste Nährstoffaufnahme im Januar/Februar

    Nahrung

    • Sommer: Blüten, Kräuter, Klee, Triebe, Blätter
    • Herbst: Früchte, Beeren, Pilze, Eicheln, Bucheckern
    • Winter: Knospen, Triebe, Beerenkraut, Feldfrüchte
      • Reduktion der Bewegung und des Stoffwechsels
      • geringerer Äsungsbedarf
      • verkleinerter Pansen
    • wenig Gras (5 % der Gesamtäsung)

    Losung

    • unabhängig vom Geschlecht

    Rehwildlosung

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    Lebensraum und Lebensweise

    Vorkommen

    Rehbock am Waldrand

    Verhalten

    • Sommer: einzeln (territorial)
    • Winter: gesellig in Sprüngen
    • Revierbesetzung durch reifen Rehbock ab März/April
      • weibliches Wild und unreife Böcke werden geduldet
      • Reviermarkierung der Rehböcke
        • Fegestellen entstehen durch das Verfegen des Gehörns an Bäumen und Sträuchern. Sie werden durch die Sekrete der Stirndrüse markiert.
        • Plätzstellen werden mit den Vorderläufen in den Boden geschlagen. Mit dem Sekret der Klauensäckchen erfolgt die Duftmarkierung.
      • Je besser das Revier als Setzplatz geeignet ist, desto zahlreicher sind die Ricken.
    • tagsüber in Deckung
    • Dämmerung und nach Niederschlag austritt zum Äsen
    • Kurzflüchter
    • Kulturfolger
    Sprung Rehe Bast
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    Fortpflanzung

    Brunft

    • Brunftzeit: Juli/August (3 – 4 Wochen)
      • Erkennbar an erhöhter Aktivität, insbesondere der Jungböcke
      • Je wärmer, desto lebhafter
    • Brunftschrei: Keuchen
    • Brunftkämpfe: Imponierverhalten, Drohgebärden, Plätzen und Gehörnstöße ins Leere, keine echten Rangordnungskämpfe
    • Einzelbrunft (keine Rudel)
    • Hexenringe entstehen beim kreisförmigen Treiben (Spuren im Boden)
    • Ricke nur für 2 – 3 Tage brunftig

    Rehwild PaarungszeitTreiben von Rehbock und Ricke in der Blattzeit

    Blattzeit

    Jungtierentwicklung

    • Tragzeit: 9 Monate mit Eiruhe (ca. 3 Monate) Eiruhe dauert i.d.R. bis zur Wintersonnenwende, dann beginnt das embryonale Wachstum. Früher endete deswegen die Jagdzeit für Ricken an Weihnachten.
      • Eiruhe ist die Zeit zwischen Befruchtung und verzögertem Beginn der Embryonalentwicklung
      • Sie dauert von September bis Dezember
    • Setzzeit: Mai/Juni
      • behaart und sehend
    • 1 – 2 (bis zu 3) Kitze pro Ricke
    • Rehwild gehört zum Ablegetyp
      • Kitze werden gerne in hohem Gras abgelegt.
      • Vorsicht: Ausmähgefahr
    • Säugen für 6 – 7 Monate
    • Zuwachsrate 80 – 100 % (bezogen auf die Zahl der Ricken am 1. April)
    • Geschlechtsreife mit etwa 14 Monaten

    Beschlagene RickeRicke beim Säugen ihres Rehkitzes in FleckenfärbungRicke mit zwei Rehkitzen

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    Praxistipps

    Jahresverlauf des Rehwild

    Geweihentwicklung und Fortpflanzung wiederholen sich jedes Jahr im gleichen Zyklus. Hierbei müssen sich nur zwei Dinge gemerkt werden.

    1. Die Setzzeit ist bei allen Schalenwildarten im äsungsreichen Mai und Juni.
    2. Die Brunft findet beim Rehwild im Juli und August statt.

    Daraus können die Tragzeit, sowie die Zeiträume des Fegens und Abwerfens hergeleitet werden.

    Die Tragzeit von der Brunft bis zur Setzzeit dauert etwa 9 Monate (mit 3 Monaten Eiruhe).

    Das Geweih muss pünktlich zur Brunft fertig verfegt sein. Die Fegezeit geht also bis in den Juni. Nach der Brunft kann das Geweih ab Oktober wieder abgeworfen werden.

    Jahresverlauf des Rehwildes für Geweihentwicklung und Fortpflanzung

    Ansprechen

    Männliches Rehwild

    Merkmal

    Jünger

    Älter

    Körperbau

    hochläufig

    gedrungen

    Träger

    schmal, hoch

    stark, fast waagerecht

    Vorderläufe

    eng

    breit

    Verfärben

    früh

    spät

    Gehörn

    schiebt spät

    schiebt früh

    Fegezeitpunkt

    Mai

    März/April

    Abwurfzeitpunkt

    Dezember

    Ende Oktober

    Verhalten

    unruhig, spielerisch, nicht territorial

    vorsichtig, misstrauisch, territorial

    Beispiel

    Junger Rehbockspießer

    Rehbock älter

    Weibliches Rehwild

    Rehwild Ricke und Schmalreh Rehwild SchmalrehAnsprechen von weiblichem Rehwild im Frühjahr

    Geschlechterunterscheidung im Winter

    Merkmal♂Bock♀Ricke
    Spiegel (nur im Winterhaar)

    Nierenförmig

    Spiegel des Rehbocks

    Herzförmig mit Schürze

    Spiegel und Schürze der Ricke

    Art des Nässens Nässt stehend direkt unter sich.Hockt sich nach hinten-unten, um zu nässen.
    GeschlechtsorganePinsel beim Bock im Winterhaar erkennbarNicht erkennbar

    Pirsch

    Sinnesorgane

    • Gesichtssinn: Äugt vor allem bewegte Objekte mit weitem Sehfeld
    • Geruch: Windet sehr gut
    • Gehör: Vernimmt gut

    Lautäußerungen

    • Schrecken: Laut des Rehs bei Beunruhigung
    • Klagen: Laut des Rehs bei Schmerz und Angst
    • Fiepen: Lockruf der Ricke oder des Schmalrehs in der Brunft

    Fährte

    Tritt und Fährte des Rehwildes ähneln dem Rotwild. Allerdings sind die einzelnen Tritte deutlich geringer und schmaler. Auch die Ballen sind häufig nicht so klar abgrenzbar.

    Rehwild Tritt und Fährte
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