Schwarzwildkeiler Cover

Schwarzwild

Letzte Aktualisierung: 06.11.2021

Zusammenfassung

Das Schwarzwild ist die Urform des Hausschweins und wurde vor etwa 10.000 Jahren domestiziert. In den letzten Jahren haben sich die Populationen des Schwarzwildes aufgrund seiner großen Anpassungsfähigkeit und hohen Vermehrungsraten deutlich vervielfacht. Nicht zuletzt liegt das an der Zunahme des Maisanbaus. So ist das Schwarzwild zur echten Herausforderung für Landwirte und Jäger gleichermaßen geworden. Auch durch die regelmäßig wiederkehrende Gefahr der Schweinepest ist die Jagd auf Schwarzwild ein sehr aktuelles Thema.


Allgemeines

Begriffe

SchwarzwildWildschwein
KeilerMännliches Schwarzwild
BacheWeibliches Schwarzwild
FrischlingSchwarzwild im 1. Lebensjahr (bis zum 31.03. des Folgejahres)
ÜberläuferSchwarzwild im 2. Lebensjahr (ab dem 01.04. des Folgejahres)

Zoologische Zuordnung

OrdnungPaarhufer / Schalenwild
UnterordnungSchweineartige
FamilieSchweine

Körpermaße

  • Sehr unterschiedlich je nach Altersklasse, Geschlecht und Standort
  • Höhe (Widerrist): ♂ bis 1 m
  • Gewicht (aufgebrochen)

Größe und Gewicht sind abhängig vom Biotop sehr unterschiedlich und dienen nur der Orientierung.


    Aussehen

    Haarkleid

    • Oberflächliche, lange und borstige Deckhaare
    • Tiefer liegende, kurze und feine Wollhaare
    • Sommerschwarte: Kurzhaarig, grau
    • Winterschwarte: Langhaarig, grau/schwarz
    • Frischlinge mit charakteristischer Streifenzeichnung
      • Verblasst mit 4 bis 6 Monaten
    • Überläufer: bräunlich (April/Mai)

    Frischlinge Wildschwein SchwarzwildKeiler SommerhaarSchwarzwild Keiler

    Körperteile

    Körperteile des Schwarzwildes

    Gebiss

    Allesfressergebiss

    • Schneidezähne: scharf und mittelgroß
    • Eckzähne
      • Groß und kräftig
      • Offene Wurzel → Wachstum bis ins Alter
      • Waffen und Werkzeug beim Aufbrechen
    • Prämolare: scharfkantig (wie Fleischfresser)
    • Molare: stumpf (wie Pflanzenfresser)
    Allesfressergebiss Schwarzwild

    Dauergebiss (Zahnformel)

    Eckzähne

    SchwarzwildtrophäeKeiler Waffen SchwarzwildSchwarzwild Keiler

    Zahnwechsel

    Die Angaben zum Zahnwechsel sind immer ungefähr und je nach Lehrbuch etwas unterschiedlich.

    Schneide- und Eckzähne

    Alter

    MerkmaleAbbildung
    6 Monate
    • Vollständiges Milchgebiss (28 Zähne)
    • Kleine Schneidezähne
    • Keine Molare

    Schwarzwildgebiss 4 Monate

    10 Monate

    • Beginn des Zahnwechsels
    • Wechsel des I3 und C1

    Schwarzwildgebiss 10 Monate

    14 Monate

    Schwarzwildgebiss 14 Monate

    18 Monate

    Schwarzwildgebiss 18 Monate

    24 MonateVollständiges Dauergebiss (I1 und I2 auf gleicher Höhe)

    Schwarzwildgebiss 24 Monate

    Schema des Zahnwechsels von Schneide- und Eckzähnen des Schwarzwildes

    Hintere Backenzähne (Molare)

    Alter

    Merkmal

    6 Monate

    (Frischling)

    Schieben des M1

    14 Monate

    (Überläufer)

    Schieben des M2

    24 Monate

    (Sau)

    Schieben des M3
    36 Monate

    M3 vollständig herausgewachsen

    6 – 14 – 24 (Schieben der Molare M1-M3)

    In den ersten 24 Lebensmonaten lässt sich aufgrund des Zahnwechsels das Alter sehr genau feststellen.

    Altersschätzung

    Keiler

    • Alterseinschätzung nach Brandt
    • Durchmesser 1 cm oberhalb des Wurzelendes (WE)
    • Durchmesser am Schleifenende (SE)

    ​​​​​​

    Altersschätzung Keiler Formzahl

    Wissenschaftlich betrachtet ist diese Möglichkeit der Alterseinschätzung sehr ungenau.


    Ernährung

    Allgemeines

    • Ernährungstyp: Allesfresser
    • Brechen: Das Umwühlen des Bodens zur Nahrungssuche

    Schwarzwild beim Brechen

    Nahrung

    • Baumfrüchte: Eicheln, Kastanien, Bucheckern
    • Feldfrüchte, Fallobst
    • Wirbellose Tiere: Würmer, Engerlinge
    • Aas: Jungwild, Luder, Mäuse
    • Gelege

    Wildschäden

    Wildschaden SchwarzwildWildschaden Feld Schwarzwild

    Losung

    • Klümpchen
    • Oft unförmige Würste

    Schwarzwild LosungSchwarzwildlosung


    Lebensraum und Lebensweise

    Vorkommen

    • Biotoptyp:
      • Sumpflandschaften
      • Laubmischwälder (hoher Eichen- und Buchenanteil für die Mast)
      • Felder (Getreide)
      • Flachland und Mittelgebirge
      • Zunehmend auch Umgebung von Städten
    • Deutschland: flächendeckend
    • Europa: überall bis auf Skandinavien und Großbritannien
    • Verbreitungskarte

    Verhalten

    • Wenig standorttreu
    • Nachtaktiv
    • Suhlen häufig und gerne
      • Danach wird sich an Bäumen gescheuert (Malbäume)
      • Suhlen schlammig, aber wasserarm

    Schwarzwild an einer Suhle

    Sozialverhalten

    • Leben in Rotten aus Bachen, Überläufern und Frischlingen
      • Rotte: Eine Ansammlung von Schwarzwild
      • Leitbache: Weibliches Stück Schwarzwild, dass eine Rotte anführt.
    • Junggesellenrotte: Überläuferkeiler
      • Trennung von der Mutterrotte mit etwa 18 Monaten
    • Ältere Keiler sind Einzelgänger
    • Wehrhaft mit Gewehren (Keiler) und durch Beißen (Bachen)

    Schwarzwild RotteSchwarzwild Rotte Brechen


    Fortpflanzung

    Paarungszeit: Rauschzeit

    • Rauschzeit: Fortpflanzungszeit von Schwarzwild
      • Berauschen/Beschlagen: Begatten bei Schwarzwild
    • Zeitraum: November bis Februar (mit vielen Ausnahmen)
      • Beginn wird von Paarungsbereitschaft der Bache bestimmt
      • Keiler kommt zur Begattung zur Rotte hinzu
    • Brunftkämpfe: Zum Teil heftige Auseinandersetzungen
    • Besonderheit: Kreuzung von Hausschwein und Wildschwein sind möglich

    Schwarzwild Keiler Kampf

    Exkurs: Rauschsynchronisation

    Nach aktuellem Stand der Forschung lässt sich die Rauschsynchronisation nicht belegen. Als r-Strategen würde es für das Schwarzwild auch keinen Sinn ergeben. Wahrscheinlich ist vor allem eine gute körperliche Verfassung bei guter Äsungssituation entscheidend für die frühe Geschlechtsreife von Schwarzwild.

    Die Theorie der Rauschsynchronisation besagt:

    • Leitbache gibt vor, wann alle Sauen einer Rotte rauschig werden
    • Bei Verlust der Leitbache (Abschuss, Verkehrsunfall) kommt es zum Rauschchaos
      • Ganzjährige Fortpflanzungsfähigkeit der Bachen

    Jungtierentwicklung

    • Tragzeit: 3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage (ca. 4 Monate)
    • Frischzeit: Februar bis Mai (teils später)
      • Hierzu setzt sich die Bache von der Rotte ab
      • Frischen in Anhäufungen von Gras, Kraut und Zweigen (Wurfkessel)
      • Frischen: Gebären von Jungen bei Schwarzwild
    • 3 bis 10 Frischlinge pro Bache .
    • Säugezeit: 3 bis 4 Monate
    • Geschlechtsreife ab 8 bis 10 Monate (teils bereits Frischlinge beteiligt)
      • Abhängig von Ernährung und Bestand
    • Natürliche Altersgrenze ca. 10 Jahre

    3-3-3 gabs bei Issos Keilerei → Tragzeit beim Schwarzwild: 3 Monate, 3 Wochen, 3 Tage

      Säugende Bache SchwarzwildSchwarzwildrotte mit Frischlingen in typischer Streifung.Bache mit FrischlingenÜberläufer Sommerhaar

      Schwarzwild und die Magische 4

      • 4 Monate Tragzeit
      • 4 Monate Säugezeit
      • Nach 4 Monaten verblassen die Frischlingsstreifen.
      • Zahnwechsel alle 4 Monate
      • 44 Zähne im Dauergebiss

      Zuwachs

      • Der Zuwachs bei Schwarzwild ist sehr variabel.
        • Abhängig von den Lebensumständen
        • Normaljahre: Zuwachs um 150 % des Frühjahrsbestandes
        • In guten Jahren bis zu 300 % Zuwachs
      • Zuwachserhöhung
        • Mastjahre
        • Hoher Maisanteil der Nahrung
          • Frühere Geschlechtsreife
          • Höheren Überlebensrate der Frischlinge
      • Zuwachsverminderung
        • Schneereiche, lange Winter
        • Fehlende Mast (Eichen, Buchen)

      Praxistipps

      Ansprechen

      Tipps und Tricks

      Übersicht

      Frischling im WinterhaarBache mit GesäugeRotte Frischlinge WinterBache mit FrischlingenSchwarzwild Bache SommerSchwarzwild KeilerSchwarzwildkeiler mit erkennbarem Pinsel

      Pirsch

      Sinnesorgane

      • Sehen: äugt schlecht
      • Geruch: windet gut
      • Gehör: vernimmt gut
        • Das Anpirschen sollte dementsprechend mit gutem Wind und lautlos erfolgen.

      Lautäußerungen

      • Grunzen und Schmatzen, wenn sie vertraut sind
      • Blasen bei Erregung oder Misstrauen und zur Warnung
      • Quieken von Frischlingen
      • Kreischen oder Klagen bei Schmerzen
      • Schnaufen beim Brechen

      Tritt und Fährte

      Tritt und Fährte des Schwarzwildes

      SchwarzwildlaufSchwarzwildtritt mit deutlich abgezeichnetem Geäfter

      Waidmannssprache

      LagerLiegeplatz eines einzelnen Stücks Schwarzwild
      Sich schieben/stecken Schwarzwild, das sich in den Einstand begibt
      Abschlagenwenn Schwarzwild abwehrt
      Annehmenwenn Schwarzwild angreift
      Wetzenwenn Keiler das Gewaff aufeinander schlagen