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Damwild

Letzte Aktualisierung: 24.08.2021

Zusammenfassung

Das Damwild war in Mitteleuropa ausgestorben bis die Römer es vor etwa 2.000 Jahren wieder als Opfertier einführten. Im Mittelalter war es eine Kostbarkeit des Adels. Typisch sind das weiß gefleckte Sommerkleid und das schaufelartige Geweih der Hirsche. Ansonsten ähneln sie im Verhalten dem Rotwild allerdings mit schwächerem Körperbau. Niedrigere Ansprüche als das Rotwild ermöglichen eine Gehegehaltung des Damwilds. Bei der Flucht sind die Hüpfsprünge mit gerade gestrecktem Wedel charakteristisch.


Allgemeines

Begriffe

Zoologische Zuordnung

OrdnungPaarhufer / Schalenwild
UnterordnungWiederkäuer
FamilieHirsche
UnterfamilieEchte Hirsche

Körpermaße

  • Unterschiede je nach Standort und Äsung
  • Wachstum bis etwa 6 Jahre
  • Höhe (Widerrist): 100 cm
  • Gewicht (aufgebrochen): ♂ 60 – 70 kg

Aussehen

Haarkleid

  • Verfärbt zweimal jährlich im Frühjahr und Herbst
  • Beide Geschlechter sind gleich gefärbt.
    • Sommerdecke
    • Winterdecke
      • Oberseite dunkelgraubraun
      • Seiten ohne Flecken
      • Unterseite grauweiß
    • Besonderheiten:
      • Schwarz umrandeter weißer Spiegel
      • schwarzes und weißes Damwild
      • Langer Wedel

    Damwild Hirsch SommerkleidDamwild Winterkleid

    Körperteile

    • Siehe: Körperteile des Rehwildes

    Geweih

    Allgemeines

    • Nur männliches Damwild trägt ein Geweih
    • Wachstum und Entwicklung ähnlich dem Rotwild

    Jahreszyklus

    • April/Mai: Geweihabwurf
    • Juni/Juli: Folgegeweih
    • August/September: Fegezeit

    Aufbau

    • Siehe auch: Aufbau des Rotwildgeweihs
    • Besonderheiten:
      • Schaufeln mit Schaufelenden
      • Nach hinten ziehender Dorn/Sporn
      • Zwiebeln: Kolbenartige Verdickung an der Geweihbasis bei Spießern (1. Kopf, 2. Lebensjahr)

    Entwicklung

    BezeichnungBeschreibungerwünschtunerwünschtAbbildung
    Spießer

    Spießer erwünscht

    Spießer

    Damwild jung Hirsch

    Knieper/

    Löffler

    • 2. Kopf, 3. Lebensjahr
    • mit Rosen
    • Knieper: Stangengeweih (häufiger beim 2. Kopf)
    • Löffler: beginnende Schaufel bei guter Veranlagung

    Löffler erwünscht

    Löffler unerwünscht

    Damwild Hirsch 2. Kopf
    Halbschaufler

    Halbschaufler erwünscht

    Halbschaufler unerwünscht

    angehender Schaufler

    angehender Schaufler erwünscht

    angehender Schaufler unerwünscht

    Vollschaufler/Guter Schaufler

    Vollschaufler erwünscht

    Vollschaufler unerwünscht

    Kapitalschaufler
    • Reifealter ab 8 Jahrern
    Damhirsch Hauptschaufler

    Damhirsch mit zerfurchter Schaufel

    Damhirsch Hauptschaufler

    Bewertung der Entwicklung

    MerkmalGute EntwicklungSchlechte Entwicklung
    Zwiebeln (1. Kopf) ausgeprägt und kräftigweniger prominent
    Spieße/Stangenstarkschwach
    Auslage als Spießerbreitgering
    Schaufeln als Löfflerdick und vollgering oder noch Spießer
    Mittelsproßekräftiggering
    Endenviele, stark, am hinteren Schaufelrandspitz, zerrissen, am oberen Schaufelrand

    Beispiel

    Damhirsch Spießer gute Entwicklung

    Damhirsch Hauptschaufler

    Damhirsch schlechte Entwicklung

    Damhirsch unerwünschte Entwicklung

    Geweihformen

    • Herzform
    • Korbform
    • U-Form
    • V-Form

    Damhirschgeweih in HerzformDamhirschgeweih in KorbformDamhirschgeweih in U-FormDamhirschgeweih in V-Form

    Schaufelformen

    • Erwünscht
      • Voll
      • Brett (rechteckiges Blatt)
      • Keil (keilförmiges Blatt)
    • Unerwünscht: Karo, Fischbau, Schlitz-V-Form, Schlitz-O-Form, zerrissen, Sektglas, schmales Blatt
      • O-förmige Schaufelschlitze
      • schmale Schaufeln

    Geweihbewertung


    Gebiss

    Typisches Wiederkäuergebiss

    Dauergebiss

    Der Unterschied im Vergleich zum Dauergebiss des Rotwildes ist das Fehlen der Eckzähne im Oberkiefer (Grandeln).

    Alterseinschätzung

    AlterMerkmale
    5. MonatSchieben des M1
    8. – 15. MonatWechsel des I1 – I3
    13. MonatSchieben des M2
    16. MonatWechsel des C
    21. MonatSchieben des M3
    22. – 24. MonatWechsel des P2 – P4
    26. MonatVollständiges Dauergebiss

    Ernährung

    Nahrung

    Losung

    • dem Rotwild ähnlich, nur kleiner und ohne Geschlechterunterschiede

    Lebensraum und Lebensweise

    Vorkommen

    • Biotoptyp
      • Offene parkähnliche Landschaften
      • Feldgehölze
      • Mischwälder mit Feld- und Wiesenflächen
    • Anpassungsfähig und robust (geringe Krankheitsanfälligkeit)
    • Geringere Ansprüche als Rotwild (→ Gehegehaltung)
    • Deutschland: Brandenburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern

    Verhalten

    • Leben in Rudeln mit Geschlechtertrennung
    • Damhirsche: Rudel und kleinere Trups, ältere Hirsche auch allein
    • Weibliches Damwild ganzjährig in Rudeln
    • Tagaktiv
    • Suhlt nicht
    • Flüchtig mit gerade gestrecktem Wedel und charakteristischen Luftsprüngen (Hüpfsprünge)

    Hirschrudel Damwild


      Fortpflanzung

      Paarungszeit: Brunft

      • Brunftzeit: Oktober / November
      • Brunftplatz: Altholz
      • Brunftschrei: Schreien, Knören oder Rülpsen
      • Brunftkampf: häufiger als Rotwild
      • Brunftkuhlen: Vertiefungen, die an den Brunftplätzen von den Damhirschen mit den Vorderläufen in den Boden gestampft werden

      Brunftkampf unter Damhirschen

      Jungtierentwicklung

      • Tragzeit: 7,5 Monate
      • Setzzeit: Juni, seltener Juli
      • 1 Kalb, selten 2 Kälber pro Alttier

      Damwild Tier und Kalb


      Praxistipps

      Unterscheidung von Sikawild und Damwild

      Merkmal

      Sikawild

      Damwild

      HaarkleidHellere UnterseiteAusgeprägterer Aalstrich

      Wedel

      weiß

      dunkel

      Geweih

      Stangengeweih

      Schaufelgeweih

      Dauergebiss34 Zähne32 Zähne

      Pinsel

      kaum sichtbar

      deutlich sichtbar

      Laute

      Pfeifen

      Schrecken/Grunzen

      Pirsch

      Sinnesorgane

      • Sehen: äugt sehr gut
        • im Gegensatz zu Rotwild auch stille Objekte
      • Geruch: windet gut
      • Gehör: vernimmt gut

      Fährte

      Tritt

      • Vergleich zum Rotwild: Schmaler und spitzer
      • Ballengröße etwa ½ der Gesamtfläche
      Tritt des Damwildes

      Fährte

      Fährte des Damwilds