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Büchsenmunition

Letzte Aktualisierung: 28.10.2021

Zusammenfassung

Büchsenmunition wird für Waffen mit gezogenen Läufen (Büchsen) zum Verschießen von Einzelgeschossen verwendet. Die Patronen bestehen aus dem Geschoss, einer Patronenhülse, der Treibladung und einer Zündung. Die Zündung nimmt die Energie des Schlagbolzens auf und entzündet die Treibladung. Die Patronenhülse überträgt die Energie auf das Geschoss. Je nach Geschosswirkung und Energieabgabe im Ziel wird zwischen Voll-, Deformations- und Zerlegungsgeschossen unterschieden. Für eine waidgerechte Bejagung sind auch Kenntnisse zu den Kalibern der Munition notwendig.


Aufbau

  1. Patronenhülse/Hülse
  2. Pulver
  3. Zündung
  4. Geschoss
Aufbau einer Büchsenpatrone

    Patronenhülse

    Allgemeines

    • Material: Messing

    Rand

    Aufgrund der technischen Entwicklung bei den Auszieherkonstruktionen wird die Waffenzuordnung von Patronen mit und ohne Rand zunehmend aufgehoben.

    Hülse mit und ohne Rand

    Gürtelhülsen

    • Hülsen mit Wulst in der Nähe des Hülsenbodens.
    • Dieser Wulst stellt beim Laden den nötigen Abstand zwischen Patronenboden und geschlossenem Verschluss her.

    Gürtelhülse

    Hülsenform

    • Jagdpatronen sind meist Flaschenhülsen
    • Zylindrische und konische Hülsen werden z.B. bei Revolvermunition verwendet.
    Patronenhülsenformen

    Flaschenhülse

    Gliederung der Flaschenhülse

    Pulver

    Allgemeines

    • Das Pulver bzw. die Treibladung wird verbrannt und gibt die entstehende Energie an das Geschoss ab.
    • Früher wurde Schwarzpulver verwendet.
    • Heutzutage wird in Jagdwaffen Nitro-Cellulose Pulver verwendet, das folgende Vorteile hat.
      • Hoher Energiegehalt
      • Kaum Rauchentwicklung
      • Kaum Rückstände
    Nitro-Cellulose-Pulver

    Verbrennungsvorgang

    • Offensives Pulver (schnell verbrennend) → Schrotmunition und Kurzwaffenmunition
    • Progressives Pulver (langsam verbrennend) → Büchsenmunition

    Zündung

    Allgemeines

    Zentral- und Randfeuerpatronen

    Zentralfeuerpatronen

    Zentralfeuerzündung Aufbau und Zündungsarten

    Vergleich der Konstruktionsarten

    Berdan-ZündungAmboss-Zündung (Boxerzündung)
    Amboss
    • Teil der Hülse
    • Teil des Zündhütchens
    Zündlöcher
    • Zwei
    • Eins
    Verwendung
    • Militärpatronen
    • Jagdpatronen

    Randfeuerpatronen


    Geschosse

    Anforderungen

    Für die jagdliche Verwendung müssen Geschosse gewisse Anforderungen erfüllen. Aus diesen Anforderungen leitet sich die Form, das Material und der Aufbau moderner Geschosse ab.

    • Hohe Treffgenauigkeit
      • Gute Überwindung des Luftwiderstandes
    • Gute Tötungskraft
    • Sicherer Ausschuss → Deutliche Schweißfährte und als Kennzeichnung des Anschusses
    • Erhaltung des Wildbrets

    Form

    • Kugel (z.B. Schrot)
    • Moderne Geschosse (z.B. Rundkopf oder Spitzkopf)
    • Hohlspitzgeschosse: Geschoss mit hohler Spitze
      • Früher verboten
      • Heutzutage v.a. auf Schießständen („schießstandfreundlich“)
    • Flintenlaufgeschoss (Sonderstellung)

    Material

    • Blei
      • Hoher Härtegrad
      • Verwendung: Massivgeschosse und Kernmaterial
    • Tombak: Geschossmäntel und Massivgeschosse
    • Kupfer: Geschossmäntel und Massivgeschosse
    • Flusseisen: Geschossmäntel

    Bleihaltige Munition ist aufgrund möglicher Gesundheitsschäden in die Kritik geraten. Diese betreffen den Schützen direkt und bedeuten eine Gefährdung von Grundwasser, Wildtieren und Menschen, die Wildbret verzehren. Jagdlich wird bleifreie Munition wegen möglicherweise geringerer Tötungskraft häufig kritisiert. Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung in Eberswalde hat hierzu einen spannenden Bericht geschrieben, der den Einsatz von bleifreier Munition für die Bejagung von Schalenwild als waidgerechte Möglichkeit bewertet (PDF-Download ).

    Bleifreie Geschosse

    • Keine Kontamination von Umwelt und Wildbret mit Blei
    • Oft geringere Masseverluste im Ziel → Höhere Durchschlagskraft

    Aufbau

    AufbauMerkmaleAbbildung
    Vollmantelgeschoss
    • Kern aus Blei (Tombak)
    • Vollständiger Geschossmantel

    Geschossaufbau Vollmantelgeschoss

    Teilmantelgeschoss
    • Geschossmantel ist nach vorne geöffnet
    • Mantel heutzutage aus Flussstahl oder Tombak

    Geschossaufbau Teilmantelgeschoss

    Massivgeschoss (Solid)
    • durchgehend aus gleichem Metall
    • hohe Materialhärte
    Massivgeschoss

    Besonderheiten

    • Scharfrand: Konstruktionsmerkmal von Geschossen, das beim Auftreffen Schnitthaar als Pirschzeichen erzeugen soll.
      • Verwendung v.a. bei alten Geschossen

    Geschosswirkung


    Geschosswirkung

    Allgemeines

    • Die Geschosswirkung ist abhängig von der Auftreffenergie und der Dichte des Zielkörpers.
    • Geschosshärte → Querschnitt des Geschosses → Energieabgabe → Tötungskraft/Eindringtiefe
    • Es wird unterschieden zwischen:
      1. Vollgeschossen
      2. Deformationsgeschossen
      3. Zerlegungsgeschossen
    • Es gibt gesetzliche Vorgaben für die minimale Auftreffenergie auf 100 m bei Schalenwild.
    • Wissenschaftliche Erkenntnisse für Fluchtstrecken unter 30 m:
      • ≥1.500 Joule Energieabgabe in den ersten 15 cm Wildkörper
      • ≥45 cm richtungsstabile Bewegung → Ausschuss

    Vollgeschosse

    • Beibehaltung der Geschossform
    • Querschnitt bleibt klein
    • Geringe Energieabgabe → Geringe Tötungskraft (siehe: Zielballistik)
    • Hohe Eindringtiefe

    Deformationsgeschosse und Zerlegungsgeschosse

    • Weichere Geschossmaterialien
    • Aufpilzung beim Auftreffen auf den Zielkörper → Vergrößerung des Querschnitts
    • Hohe Energieabgabe → Hohe Tötungskraft (siehe: Zielballistik)
    • Geringere Eindringtiefe

    Teilmantelgeschoss als Beispiel für ein Deformationsgeschoss

    H-Mantel-Geschoss als Beispiel für ein Zerlegungsgeschoss.

    Übersicht

    VollgeschosseDeformationsgeschosseZerlegungsgeschosse
    Geschossaufbau
    Wirkung
    • Beibehaltung der Geschossform
    • Querschnittvergrößerung
    • Querschnittvergrößerung und Absplitterung
    Energieabgabe
    • Gering
    • Mittel
    • Hoch
    Tötungskraft
    • Gering
    • Mittel
    • Hoch
    Splitterung
    • Keine
    • Keine (kaum)
    • Hoch
    Eindringtiefe (→Durchschlagskraft)
    • Hoch
    • Mittel
    • Gering
    Ausschuss
    • Sicher
    • Relativ sicher
    • Weniger sicher
    Wildbret/Balg
    • Schonend
    • Eher schonend
    • Zerstörend
    Hinterlandgefährdung
    • Hoch
    • Mittel
    • Gering
    Verwendung
    • Breites Anwendungsgebiet
    • Breites Anwendungsgebiet mit Schwerpunkt auf Schalenwild
    Beispiele
    • Kegelspitz-Geschoss (KS)
    • Teilmantel-Spitz (TMS)
    • Teilmantel-Rund (TMR)
    • Teilmantel-Flach (TMF)
    • Torpedo-Ideal (TIG)
    • Torpedo-Universal (TUG)

    Mit Blei

    • CDP-Geschoss (Blaser)
    • Evolution (RWS)
    • Brenneke Torpedo-Optimal-Geschoss (TOG)
    • H-Mantel-Geschoss

    Bleifrei

    Die Übergänge der Geschosswirkung sind fließend. Bei einem Restkörper <70 % spricht man von Zerlegungsgeschossen, >70 % von Deformationsgeschossen und der Restkörper von Vollgeschossen sollten nahe 100 % sein.


    Kaliber

    Allgemeines

    • Das Kaliber ist ein Maß für den Außendurchmesser von Geschossen und den Innendurchmesser von Läufen
      • Kaliber von Lauf und Geschoss müssen zueinander passen.
      • Nennkaliber: Ungefährer Durchmesser eines Geschosses oder Laufes
    • Im weiteren Sinne ist das Kaliber auch die zweifelsfreie Bezeichnung von Munition und Patronenlager.
      • Beispiel: Bezeichnung als „9 mm“ nicht ausreichend, da es verschiedene 9 mm Patronen gibt
    • Verpflichtende Angaben auf dem Hülsenboden
      1. Bezeichnung der Munition bzw. des Kalibers (z.B. 7x64)
      2. Zeichen des Herstellers (z.B. RWS oder Hornady)

    Patronenhülsenboden

    Metrische (deutsche) Kaliberangaben

    • Einheit: Millimeter (mm)
    • Zwei Zahlen (6,5 × 57)
    Deutsche (metrische) Kaliberbezeichnungen

    Ausnahme

    • Kaliber 8 mm mit zwei Geschossgrößen
    • Zusatzbezeichnung S
      • 8 × 57 I, 8 × 57 IR
      • 8 × 57 IS, 8 × 57 IRS
    • Der Durchmesser der S-Geschosse ist um etwa 1/10 mm größer.
    • Spezielle Kennzeichnung
      1. Zusatzbuchstabe „S“
      2. Schwarzes Zündhütchen
      3. Rändelung des Geschosses
    Kaliber 8mm Besonderheit S
    S-Geschosse dürfen nur aus S-Läufen verschossen werden, sonst kann es zu einer Laufsprengung kommen.

    Anglo-amerikanische Kaliberangaben

    • Einheit: Zoll
    • Eine Zahl (0.308)
    • Nennkaliber: 0.308 Zoll (ca. 7,8 mm)
    Anglo-amerikanische Kaliberbezeichnung

    Zusatzangaben

    • „R“ → Patronenhülse mit Rand (z.B. 6,5 × 57 R)
    • .30 – 06 → Konstruktionsjahr 1906
    • Zusatz Magnum (Mag.) → starke Patrone
    • 45 / 70 / 405 → Kaliber (0,45 Zoll) / Pulvergewicht (70 grain) / Geschossgewicht (405 grain)
    • Sonderbezeichnung: .22 Hornet → „Hornisse“

    Zusatzbuchstabe RKaliberbezeichnung .30-06.300 Magnum

    Ringfugenlackierung

    • Beispiel: RWS produziert Geschosse gleichen Kalibers mit unterschiedlichem Gewicht
    • Relevant für die Ballistik und somit für die Treffpunktlage
    • Markierung des schwereren Geschosses mit roter Lackierung der Fuge um das Zündhütchen
    Ringfugenlackierung

    In der mündlichen Jägerprüfung werden manchmal die beiden Patronen vorgelegt und man muss den Unterschied beschreiben.

    Verpackung

    • Klare Kennzeichnung der kleinsten Verpackungseinheit
      1. Hersteller-/Fertigungszeichen
      2. Anzahl der Patronen
      3. Munitionsbezeichnung (Kaliber, Geschosstyp, ballistische Daten)
      4. Fertigungslos
      5. Zulassungszeichen
    • Angaben zur Munition müssen mit denen auf der Waffe übereinstimmen

    Beispielverpackung von Büchsenmunition

    Fertigungslos

    • Zahlen-/Buchstabenkombination auf der Verpackung
    • Ein anderes Fertigungslos kann die Treffpunktlage verändern.
      • Größeren Vorrat einer Laborierung einkaufen
      • Laborierung: Unterschiedliche Ladungsmasse und Geschosskonstruktionen bei Patronen gleichen Kalibers

    Bei jedem Wechsel der Munition sollte die Treffpunktlage durch einen Kontrollschuss überprüft werden.

    Kleinkaliber

    • Das Kleinkaliber ist meist eine Bezeichnung für Patronen im Kaliber .22 (5,6 mm) und die zugehörigen Kleinkaliberwaffen, obwohl es keine einheitliche oder gesetzliche Definition gibt.
    • Häufig handelt es sich um Munition mit Randfeuerzündung.
    • Vorteile
      • Günstiger Preis
      • Geringer Rückschlag
    • Verwendung vor allem beim Sportschießen
    • Beispielmunition: .22 lfB, .22 Hornet, .17 HMR

    Übersicht der Büchsenkaliber

    VerwendungKaliber

    Geschossdurchmesser (in mm)

    Raubwild.22 Win. Magnum5,7
    .22 Hornet5,7

    Raubwild

    Rehwild

    .222 Rem.5,7
    5,6 × 50 (R) Mag.5,7
    .243 Win.6,2
    Schalenwild6,5 × 57 (R)6,7
    .270 Win.7,1
    7 × 57 (R)7,25
    7 × 647,25
    .308 Win.7,85
    .30-06 Springfield7,62
    8 × 57 I(R)S8,22
    8 × 68 S8,22
    9,3 × 629,30

    Schalenwild

    Großwild

    .375 H&H Mag.9,55
    .416 Rem. 10,57
    .458 Win. Mag.11,66

      Mindestkaliber

      Allgemeines

      Der Gesetzgeber hat gewisse Mindestanforderungen an die Auftreffenergie (E) und das Kaliber von Munition zur Bejagung von bestimmten Wildarten (§ 19 BJG ).

      WildartRehwild

      Weiteres Schalenwild

      (z.B. Rotwild, Schwarzwild)

      Auftreffenergie auf 100 m (E)
      • ≥ 1.000 Joule
      • ≥ 2.000 Joule
      Mindestkaliber (Geschossdurchmesser)
      • ≥ 6,5 mm
      Besonderheiten
      • Die .222 Remington ist die kleinste auf Rehwild zugelassene Patrone.
      • Bezeichnung als „hochwildtauglich“

      Alte Försterpatrone

      Die Försterpatrone wird häufig in der mündlichen Jägerprüfung besprochen. Deshalb wird auf dieses Beispiel besonders eingegangen.

      • Kaliber: 9,3 × 72 R
      • Der Geschossdurchmesser (9,3 mm) wäre ausreichend für die Bejagung von allem Schalenwild.
      • Die Auftreffenergie (E) beträgt jedoch nur etwa 1.500 Joule.
      • Die Försterpatrone ist also nur für die Bejagung von Rehwild und Raubwild zulässig.

      Fangschuss

      • Das Antragen eines Fangschusses ist auch mit Pistole oder Revolver zulässig.
      • Hierfür gilt eine minimale Mündungsenergie der Geschosse (E) von ≥ 200 Joule.
        • Je nach Bundesland sind es auch ≥ 100 Joule.