Nachsuche

Letzte Aktualisierung: 22.10.2021

Zusammenfassung

Die Nachsuche oder Schweißarbeit ist die Suche des Jägers nach angeschossenem Wild. Sie erfolgt meist mit dem ausgebildeten Jagdhund auf der Schweißfährte. Zur Verkürzung des Leides von krankem Wild ist die Nachsuche eine waidmännische Pflicht des Jägers. Bei einer schwierigen Nachsuche sollte frühzeitig ein Schweißhundegespann zur Nachsuche hinzugezogen werden. Entscheidend ist hierbei ein gut ausgebildeter Jagdhund oder sogar Schweißhund.


Grundlagen

Allgemeines

Schalenwild und Niederwild

Erfolgreiche Nachsuche

Nachsuchengespann

  • Ein Nachsuchengespann ist ein Hundeführer mit seinem Schweißhund.
  • Der Hundeführer ist der Nachsuchenführer und benötigt einen Jagdschein
  • Der Hund muss auch für erschwerte Nachsuchen brauchbar sein.

Tierschutzrecht (§ 3 TierSchG )

Beispiel: Bei der Nachsuche auf ein angeschossenes Rehkitz in einer unübersichtlichen Dickung bemerkt der Hundeführer, dass das Kitz kurz vor ihm aus dem Wundbett flüchtet. Die Abgabe eines Fangschusses ist in der Dickung nicht möglich. Der Hundeführer darf hier seinen wildscharfen Hund schnallen, um die Leidenszeit des Stückes im Sinne der Waidgerechtigkeit zu verkürzen.

Voraussetzungen


Ablauf

Allgemeines

  • Begleitpersonen müssen den Anweisungen des Hundeführers befolgen.
  • Die Arbeit am langen Riemen wird gegenüber der freien Suche bevorzugt angewendet.

Hilfsmittel

  • Schutzwesten → Signalfarben und teils festes Material (Kevlar, z.B. zum Schutz vor Keilerwaffen)
  • GPS-Ortungssysteme mit Antenne
Terrier bei der Jagd

Anschuss

  • Die Nachsuche beginnt immer am Anschuss.
  • Hier werden Schusszeichen und Pirschzeichen gedeutet, um die Schwere der Nachsuche abzuschätzen.

Fährtensuche

  • Das Absuchen der Fährte beginnt erst 2 – 3 Stunden nach Schussabgabe.
    1. Kränkeres Wild
    2. Kalte Fährte → Genauere Nachsuche des Hundes
  • In der Regel erfolgt die Nachsuche am Schweißriemen.
  • Besonderheiten beim Nachsuchen:
    1. „Sofortige“ Nachsuche (1 Stunde nach Schussabgabe) nur bei sicher tödlichem Schuss.
    2. Bei Dunkelheit nur bei sicher tödlichem Schuss.
    3. Nachsuche über die Reviergrenzen hinweg→ siehe jeweilige Landesjagdgesetze zur Wildfolge
Jäger bei der Nachsuche mit seinem Schweißhund

Qualitätsmerkmale

  • Arbeit mit tiefer Nase
    • Unterschiedlich je nach Rasse
  • Erkennen von Verweiserpunkten
  • Wildschärfe

Praxisvideo

Tolles Video-Tutorial einer Nachsuche von den Bayerischen Staatsforsten:

Verweisen

  • Verweisen ist das Anzeigen von Pirschzeichen durch den Jagdhund bei der Schweißarbeit oder beim Führen zum verendeten Wild.
  • Es ist nur bei der freien Suche notwendig, wenn das Wild zu stark zum Apportieren ist (z.B. Schalenwild).
  • Totverbellen: Standlaut des Hundes bis der Führer kommt
  • Totverweisen: Auffälliges Verhalten des Hundes (Laut, Hochspringen) beim Führer
  • Bringselverweisen: „Bringsel“ (Leder- oder Holzstück an der Halsung) wird in den Mund genommen und bei der Rückkehr zum Führer gezeigt

Fangschuss


Veranlagung des Hundes

Laute

  • Standlaut: Verbellen des gestellten Wildes durch den Jagdhund.
    • Tiefer und dumpfer Laut
    • Gewünscht
  • Spurlaut: Laut des Jagdhundes beim Verfolgen von Wild auf der Fährte ohne das Wild zu sehen.
    • Heller Laut
    • Bei Bewegungsjagden auf Schalenwild gewünscht
  • Sichtlaut: Jagdhund gibt nur Laut bei Anblick von verfolgtem Wild.
  • Waidlaut: Ein Hund, der geschnallt Laut gibt, ohne Wild zu verfolgen oder eine Witterung zu haben.
    • Jagdlich nicht gewünscht
  • Stumm jagende Hunde sind jagdlich weniger geeignet.
    • Wild wird in Panik versetzt → Es wird hochflüchtig → Schwierige Bedingungen für die Schützen
    • Jäger kann den Jagdverlauf nicht verfolgen.

Wildschärfe

Wildschärfe bei einer Bracke mit zwei starken Stück Schwarzwild

Rauwildschärfe

  • Raubwildschärfe ist die Fähigkeit des Hundes Raubwild zu verfolgen und abzutun oder zu stellen und zu verbellen.

Jagdhundeausbildung

Hilfsmittel für den Hund

  • Schweißhalsung
    • Greit
    • Nicht würgend
    • Mit Wirbel
    • Teils auch Nachsuchengeschirre
  • Schweißriemen
    • Reißfest
    • 6 – 12 m Länge
  • Riemenschnalle: Befestigung des Schweißriemens an der Schweißhalsung

Fährte

Hilfsmittel

  • Kennzeichnung für den Hundeführer mit sichtbarer Markierung (z.B. Kreide)
  • Kennzeichnung für den Hund mit Schweiß (Schalenwild oder Schlachthöfe)
  • Ausbringen des Schweißes
    • Tupfstock: Ein Tupfstock ist ein Stock, an dessen Ende ein Tupfer hängt. Dieser wird in Schweiß getunkt, um eine Fährte auszuarbeiten.
    • Tropfflasche
  • Fährtenschuhe zum Einspannen von Wildschalen → Alternative Duftspur zu Schweiß

Künstliche Fährte

  • Legen mit Tupfstock oder Tropfflasche (seltener Fährtenschuh)
  • Für die meisten Jagdhunde gilt:
    • Zunächst Ausbildung an der Futterschleppe zur Förderung der Nase.
    • Im Verlauf erst Training an einer künstlichen Schweißfährte.
  • Schweißhunderassen können direkt an einer kalten Gesundfährte von Hochwild eingearbeitet werden.
  • Einarbeitung von Verweiserpunkten → Verweisen (Markieren) durch den Hund
    • WundbettSchweiß, Haare, Bodenverwundung
    • Wildbretanteile → Lungenstücke
    • Knochensplitter

Schwierigkeit der Fährte

  • Kurze oder lange Fährte
  • Viel oder wenig Schweiß
  • Kurze oder lange Stehzeit (Zeit zwischen Legen und Nachsuche)
  • Gerader oder hakiger Verlauf
  • Absprünge: Starker Richtungswechsel oder Abspringen von der eigenen Wundspur bei Wild
  • Widergänge: Wenn Wild durch mehrere Richtungswechsel wieder auf die ursprüngliche Fährte zurückkehrt.
  • Keine oder viele Verleitfährten
    • Verleitfährte sind Kreuzfährten von gesundem Wild.

Tipps

  • Erfolgserlebnis am Ziel → Schalenwilddecken, erlegtes Wild, sichere Totsuchen
  • Genossen machen: Belohnung mit Aufbruch oder Fleischbrocken durch den Führer
  • Bei Unterbrechung „Abtragen von der Fährte (nicht Abziehen)
  • Animation zum Drosselgriff am verendeten StückWildschärfe

Schwarzwildübungsgatter

  • Gatter, in denen Schwarzwild gehalten wird, um Jagdhunden in kontrollierten Bedingungen den Umgang mit Sauen beizubringen.
  • Voraussetzungen
    • Klinisch gesunder Jagdhund
    • Ausreichender Impfschutz
    • Hundeführer mit gültigem Jagdschein
    • Eindeutige Identifizierbarkeit des Jagdhundes (Chip, Tätowierung)
    • Teilweise Eintragung im Zuchtbuch notwendig

Waidmannssprache

Waidmannssprache

Laiensprache

Wundfährte/RotfährteWundfährte oder Rotfährte ist die Fährte eines krankgeschossenen oder verunfallten Stückes Hochwild oder Rehwild.

Wundbett

Lager von angeschweißten (krankgeschossenem) Wild auf der Wundfährte
SchweißBlut von Wild und Hund außerhalb des Körpers
Angeschweißt

Angeschossenes Wild, das nicht sofort verstirbt und flüchtet

RiemenarbeitArbeiten des Schweißhundes auf der Schweißarbeit „am Riemen“ (an der Leine)
RiemenfestEin Jagdhund ist riemenfest, wenn er die Arbeit am Schweißriemen sicher beherscht.
Ausarbeiten/AufnehmenFolgen einer Fährte oder Spur durch den Jagdhund
BögelnBögeln ist, wenn der Hund bei der Nachsuche durch das Schlagen eines Bogens versucht, die verlorene Fährte wiederzufinden.
AbliebelnLob des Hundes für gute Arbeit durch Streicheln
Genossen machenBelohnung des Hundes mit Aufbruch oder Schweiß nach erfolgreicher Nachsuche
überschießenGeradeaus Weitersuchen trotz Haken in der Fährte
Hetzen, HatzVerfolgen von flüchtigem Wild
NiederziehenPacken des Wildes an der Drossel