Einsatzgebiete von Jagdhunden cover

Einsatzgebiete von Jagdhunden

Letzte Aktualisierung: 03.05.2021

Zusammenfassung

Der Einsatz von brauchbaren Jagdhunden ist je nach Jagdart gesetzlich vorgeschrieben. Die Einsatzgebiete von Jagdhunden sind je nach Rasse unterschiedlich und abhängig von ihren Eigenschaften. Teilweise sind diese Eigenschaften angeboren und werden dann als „angewölft bezeichnet. Die Arbeit des Hundes lässt sich in vor und nach dem Schuss unterteilen. Vor dem Schuss sind das Suchen und Stöbern, sowie die Bauarbeit als eigene Jagdart sinnvolle Verwendungen. Nach dem Schuss wird der Jagdhund häufig zur Nachsuche oder zum Verlorenbringen verwendet.


Grundlagen

Allgemeines

Angewölfte Eigenschaften

  • Definition: Eigenschaften eines Hundes die angeboren sind
  • Geruchssinn
  • Spurwille
  • Wasserfreude/Bringfreude/Arbeitsfreude
  • Härte und Wildschärfe
  • Vorstehen
  • Art des Jagens (laut oder stumm)

Übersicht

Vor dem Schuss

ArbeitJagdartAblaufGeländeJagdhundart
Suche und VorstehenSuchjagd
  1. Quersuchen mit hoher Nase
  2. Finden → Witterung aufnehmen
  3. Vorstehen → Erstarren
  4. Durchstehen → verharren, wenn Wild aufsteht
freies Feld
BuschierenSuchjagdbewachsenes, übersichtliches Gelände
StöbernStöberjagd
  • Deckung, Wald
  • Gewässer, Schilf
BrackierenStöberjagd
BauarbeitBaujagd

Nach dem Schuss

ArbeitJagdartAblaufGeländeJagdhundart
SchweißarbeitNachsuche
VerlorenbringenNachsuche

Vorstehen

Allgemeines

Vorstehender Deutsch Kurzhaar

Ablauf

  • Ansetzen in freiem Gelände gegen den Wind
  • Weiträumige Quersuche in flottem Tempo mit hoher Nase
    • auch außerhalb der Schrotschussentfernung
  • Finden → Witterung aufnehmen
  • Vorstehen → Erstarren
    • Nachziehen (Festmachen des Wildes) → erlaubt, wenn sich das Wild bewegt
    • teilweise Heraustreten des Wildes durch den Jäger notwendig
  • Durchstehen → verharren, wenn Wild aufsteht

Ungewünschtes Verhalten

  • Hetze/Nachprellen von aufstehendem Wild
    • keine Bestrafung nach Rückkehr
    • Anleinen ohne Kommentar
  • Einspringen: Hochmachen des Wildes durch den Jagdhund nach nur kurzem Vorstehen
  • Blender: Hund, der ohne vorhandenes Wild vorsteht

Verlorenbringen

Allgemeines

  • bestehend aus Suchen und Bringen
    • schrittweise Ausbildung
  • Voraussetzungen
  • ungeeignet sind
    • Anschneider: Hund, der gefundenes Wild anfrisst
    • Totengräber: Hund, der gefundenes Wild vergräbt
    • Knautscher: Jagdhund, der durch zu starkes Quetschen das Wild beim Apportieren entwertet
  • unerwünscht ist Hetzte auf Sicht

Einarbeitung

Bringen

Apportieren LabradorApportiert Cocker Spaniel

Suche

  • Verlorensuche: Suche des Wildes ohne Wissen zur Fallstelle als freie Suche oder entlang einer Spur
  • Schleppe: Duftspur, die mit einem geschleppten Stück Wild gelegt wird und bei der Hundeausbildung verwendet wird.
  • Schleppe legen
    • Übungswild wird an einer Schleppschnur gezogen
    • simuliert Spur von krankem Niederwild
    • mit dem Strich (Wuchsrichtung von Haar oder Gefieder)
    • mit dem Wind
    • Ablegen des Schleppwilds am Ende ohne Schnur
  • Anschussmarkierung mit Haarbüschel
  • Gelände: Wald, Feld, Wiese
  • zunächst gerade Schleppe, dann zunehmend „schwieriger“ und kurviger
  • zunächst am langen Riemen, dann zur freien Suche schnallen
  • Qualitätsmerkmale
    • Suche mit tiefer Nase
    • Spur des Hasen (→ hohe Schwierigkeit)

Wassersuche


Nachsuche

Allgemeines

Erfolgreiche Nachsuche

Voraussetzungen

Veranlagung des Hundes

Laute
  • Standlaut: Verbellen des gestellten Wildes durch den Jagdhund
    • tiefer und dumpfer Laut
    • gewünscht
  • Spurlaut: Laut des Jagdhundes beim Verfolgen von Wild auf der Fährte ohne das Wild zu sehen
    • heller Laut
    • bei Bewegungsjagden auf Schalenwild gewünscht
  • Sichtlaut: Jagdhund gibt nur Laut bei Anblick von verfolgtem Wild
  • Waidlaut: Ein Hund der geschnallt Laut gibt, ohne Wild zu verfolgen oder eine Witterung zu haben
    • jagdlich nicht gewünscht
  • stumm jagende Hunde sind jagdlich weniger geeignet
    • Wild wird in Panik versetzt → es wird hochflüchtig → schwierige Bedingungen für die Schützen
    • Jäger kann den Jagdverlauf nicht verfolgen
Wildschärfe

Wildschärfe bei einer Bracke mit zwei starken Stück Schwarzwild

Rauwildschärfe
  • Definition: Fähigkeit des Hundes Raubwild zu verfolgen und abzutun oder zu stellen und zu verbellen

Praxis

Allgemeines

Nachsuchengespann
  • Hundeführer mit Schweißhund
  • Hundeführer ist der Nachsuchenführer
  • Hund muss brauchbar für erschwerte Nachsuchen sein
Praxisvideo

Tolles Video-Tutorial einer Nachsuche von den Bayerischen Staatsforsten

Video-Link

Ablauf

Anschuss

Fährtensuche
  • 2 – 3 Stunden nach Schussabgabe
  • in der Regel Nachsuche am Schweißriemen
  • „sofortige“ (1 Stunde nach Schussabgabe) nur bei sicher tödlichem Schuss
  • Nachsuche bei Dunkelheit nur bei sicher tödlichem Schuss
  • Nachsuche über Reviergrenzen → siehe jeweilige Landesjagdgesetze zur Wildfolge
Jäger bei der Nachsuche mit seinem Schweißhund

Exkurs: Tierschutzrecht (§ 3 TierSchG )

Beispiel: Bei der Nachsuche auf ein angeschossenes Rehkitz in einer unübersichtlichen Dickung bemerkt der Hundeführer, dass das Kitz kurz vor ihm aus dem Wundbett flüchtet. Die Abgabe eines Fangschusses ist in der Dickung nicht möglich. Der Hundeführer darf hier seinen wildscharfen Hund schnallen, um die Leidenszeit des Stückes im Sinne der Waidgerechtigkeit zu verkürzen.

Verweisen
  • Definition: Anzeigen von Pirschzeichen bei der Schweißarbeit oder Führen zum verendeten Wild
  • Nur bei freier Suche notwendig, wenn das Wild zu stark zum Apportieren ist (z.B. Schalenwild).
  • Totverbellen: Standlaut des Hundes bis der Führer kommt
  • Totverweisen: Auffälliges Verhalten des Hundes (Laut, Hochspringen) beim Führer
  • Bringselverweisen: „Bringsel“ (Leder- oder Holzstück an der Halsung) wird in den Mund genommen und bei der Rückkehr zum Führer gezeigt
Fangschuss

Qualitätsmerkmale

  • Arbeit mit tiefer Nase
    • unterschiedlich je nach Rasse
  • Erkennen von Verweiserpunkten
  • Wildschärfe

Hilfsmittel

  • Schutzwesten → Signalfarben und teils festes Material (Kevlar, z.B. zum Schutz vor Keilerwaffen)
  • GPS-Ortungssysteme mit Antenne
Terrier bei der Jagd

Jagdhundeausbildung

Hilfsmittel

Hund
  • Schweißhalsung
    • breit
    • nicht würgend
    • mit Wirbel
    • teils auch Nachsuchengeschirre
  • Schweißriemen
    • reißfest
    • 6 – 12 m Länge
  • Riemenschnalle: Befestigung des Schweißriemens an der Schweißhalsung

Schwarzwildübungsgatter
  • Gatter in denen Schwarzwild gehalten wird, um Jagdhunden in kontrollierten Bedingungen den Umgang mit Sauen beizubringen.
  • Voraussetzungen
    • klinisch gesunder Jagdhund
    • ausreichender Impfschutz
    • Hundeführer mit gültigem Jagdschein
    • eindeutige Identifizierbarkeit des Jagdhundes (Chip, Tätowierung)
    • teilweise Eintragung im Zuchtbuch notwendig
Fährte
  • Kennzeichnung für den Hundeführer (Kreide)
  • Kennzeichnung für den Hund mit Schweiß (Schalenwild oder Schlachthöfe)
  • Ausbringen des Schweißes
    • Tupfstock
    • Tropfflasche
  • Fährtenschuhe zum Einspannen von Wildschalen → alternative Duftspur zu Schweiß

Künstliche Fährte

  • Legen mit Tupfstock oder Tropfflasche (seltener Fährtenschuh)
  • für die meisten Jagdhunde
    • Futterschleppe → Förderung der Nase
    • künstliche Schweißfährte
  • Schweißhunderassen
  • Einarbeitung von Verweiserpunkten → Verweisen (Markieren) durch den Hund
    • WundbettSchweiß, Haare, Bodenverwundung
    • Wildbretanteile → Lungenstücke
    • Knochensplitter
Schwierigkeit
  • kurze oder lange Fährte
  • viel oder wenig Schweiß
  • kurze oder lange Stehzeit (Zeit zwischen Legen und Nachsuche)
  • gerader oder hakiger Verlauf
  • Absprünge: Starker Richtungswechsel oder Abspringen von der eigenen Wundspur bei Wild
  • Widergänge: Wenn Wild durch mehrere Richtungswechsel wieder auf die ursprüngliche Fährte zurückkehrt.
  • keine oder viele Verleitfährten
    • Verleitfährte: Kreuzfährten von gesundem Wild

Praxistipps

  • Erfolgserlebnis am Ziel → Schalenwilddecken, erlegtes Wild, sichere Totsuchen
  • Genossenmachen: Belohnung mit Aufbruch oder Fleischbrocken durch den Führer
  • bei Unterbrechung „Abtragen von der Fährte (nicht Abziehen)
  • Animation zum Drosselgriff am verendeten StückWildschärfe
Nachsuche von Rehwild
  • Stellt sich bei der Hetze nicht (ausgenommen Rehbock)
  • Hund mit Wildschärfe → Niederziehen und Abwürgen
  • geringe Bodenverletzung → schwere Nachsuche

Waidmannssprache

Allgemeines

Waidmannssprache

Laiensprache

rehreinHund der sich von Rehwild abrufen lässt oder es nicht verfolgt
hasenreinHund der sich vom Hasen abrufen lässt oder ihn nicht verfolgt
bogenreinHund der beim Stöbern im Bereich des Treibens verbleibt

Nachsuche

Waidmannssprache

Laiensprache

Wundfährte/RotfährteWundfährte oder Rotfährte ist die Fährte eines krankgeschossenen oder verunfallten Stückes Hochwild oder Rehwild.

Wundbett

Lager von angeschweißten (krankgeschossenem) Wild auf der Wundfährte
SchweißBlut von Wild und Hund außerhalb des Körpers
Angeschweißt

Angeschossenes Wild, das nicht sofort verstirbt und flüchtet

RiemenarbeitArbeiten des Schweißhundes auf der Schweißarbeit „am Riemen“ (an der Leine)
RiemenfestigkeitSichere Arbeit am Schweißriemen
Ausarbeiten/AufnehmenFolgen einer Fährte oder Spur durch den Jagdhund
AbliebelnLob des Hundes für gute Arbeit durch Streicheln
Genossen machenBelohnung des Hundes mit Aufbruch oder Schweiß nach erfolgreicher Nachsuche
überschießenGeradeaus Weitersuchen trotz Haken in der Fährte
Hetzen, HatzVerfolgen von flüchtigem Wild
NiederziehenPacken des Wildes an der Drossel