Landbau cover

Einführung zum Landbau

Letzte Aktualisierung: 22.11.2021

Zusammenfassung

Der Landbau dient in der Landwirtschaft der Pflanzenerzeugung als Lebensgrundlage für Tiere und Menschen. Es wird zwischen Grünlandbewirtschaftung auf Grasflächen und Ackerbau zur Produktion von Kulturpflanzen unterschieden. Durch die intensivierte Landwirtschaft wird das Ökosystem der Kulturlandschaft vielerorts gefährdet und das Artenreichtum nimmt ab. Dem Jäger bietet sich in Zusammenarbeit mit dem Landwirt die Möglichkeit Gegenmaßnahmen in der Hege oder auch im Rahmen der biologischen Landwirtschaft umzusetzen. Hierzu ist ein grundlegendes Verständnis für die Arbeit des Landwirt hilfreich.


Grundlagen

Allgemeines

  • Landbau ist ein Teil der Landwirtschaft, der sich mit dem Anbau von Pflanzen beschäftigt.
  • Die Hauptaufgabe des Landbaus ist die Pflanzenerzeugung:
    1. Ernährung
    2. Gründüngung
    3. Biomasse

Nutzungsformen

  1. Grünlandbewirtschaftung: Nutzung von Grasflächen (z. B. Almen)
  2. Ackerbau: Produktion von Kulturpflanzen zur Gewinnung von Gütern

Intensivierte Landwirtschaft

Allgemeines

  • Ausweitung der bewirtschafteten Flächen
  • Zunehmender Maschineneinsatz
    • Niederwildverluste vor allem durch Mähmaschine und Feldhäcksler
  • Weiterentwicklung von Pflanzenschutz- und Düngemethoden

Verlust von Randstrukturen

  • Beispiele: Hecken, Raine, Waldränder
  • Ursachen
    • Ausdehnung bewirtschafteter Flächen
    • Flurbereinigungsmaßnahmen
  • Verlust von wertvollen Biotopen
Intensivierte Landwirtschaft

Grünland

Folgen der Intensivierung

  • Umstellung von Heugewinnung auf Gras-Silage
  • Düngung mit Gülle

Düngen Gülle

Auswirkungen auf das Ökosystem

MaßnahmeAuswirkung
Pflanzen

häufige Wiesenschnitte

Verdrängung von Pflanzenarten (insbesondere Blütenpflanzen)
häufige DüngungZunahme stickstoffliebender Pflanzen
KleinstlebewesenBlütenpflanzen ↓blütensuchende Insekten
GülleausbringungSchädigung von Larven
Niederwildgroße Mähmaschinenausgemähte Gelege und Jungwild
Pflanzen ↓Äsungsangebot ↓

Ackerbau

Entwicklung

  • Verminderung von Hackfruchtarten (Kartoffeln, Rüben)
  • Zunahme von Mais und Raps
    • zuletzt auch für Biogasanlagen
  • Intensivierung der Getreidewirtschaft
    • Dünger
    • chemischer Pflanzenschutz

Folgen

  • Veränderung von Biotopen
  • häufig zum Nachteil des Niederwilds

Die intensivierte Landwirtschaft greift in ökologische Kreisläufe ein und führt zu einer Verminderung des Artenreichtums von Pflanzen und Tieren.


Bodenbearbeitung

Allgemeines

  • Bodenbearbeitung hat einen hohen Stellenwert im Landbau.
  • Ziele
    • Günstige Wachstumsbedingungen für Pflanzen (→ Ertragsmaximierung)
    • Vermeidung von Bodenschäden (z.B. Erosion)
  • Beeinflussung von Wasserhaushalt, Schädlingen und Verfügbarkeit von Nährstoffen
  • Unterteilung
    • Primäre Bodenbearbeitung (Grundbodenbearbeitung)
    • Sekundäre Bodenbearbeitung (Saatbettbereitung)

Primäre Bodenbearbeitung

  • Tiefere Bodenbearbeitung (15 – 35 cm) zur Vorbereitung der Saatbettbereitung
  • Synonym: Grundbodenbearbeitung
  • Geräte
    • Pflug (insbesondere Drehpflüge)
    • Grubber
    • Fräsen
    • Nachlauf-Krümmler
  • Unterscheidung von konventioneller und pflugloser Bodenbearbeitung

PflugGrubber

Sekundäre Bodenbearbeitung

  • Oberflächliche Bodenbearbeitung (bis 10 cm) zur Vorbereitung der Aussaat
  • Synonym: Saatbettbereitung
  • Geräte
    • Egge
    • Scheibenegge
    • Walzen
  • Gerätekombinationen: Saatbeetvorbereitung und Aussaat in einem Schritt
    • Direktsaatmaschinen
    • Saatbeetkombinationen
  • Schälen: Oberflächliche Bearbeitung der Stoppel kurz nach der Getreideernte mit der Scheibenegge
Scheibenegge

Saatausbringung

  • Drillsaat: Körner werden in definierten Abständen eingebracht (Getreide, Mais, Rüben)
  • Fräßsaat: Einsatz bei Saatkombinationen
  • Flächige Saat

Mulchsaat

  • Pflugloses Saatverfahren
  • Neuaussaat ist mit Pflanzenresten von Zwischenfrucht oder Vorfrucht bedeckt
  • Vorteile
    • Schutz vor Bodenerosion
    • Früh neue Deckung nach der Ernte

Düngung

Allgemeines

  • Landwirtschaft entzieht dem Stoffkreislauf Nährstoffe bei der Ernte
  • Nährstoffe müssen durch den Menschen zurückgeführt werden → Düngung

Organische Dünger

  • Synonym: Wirtschaftseigene Dünger
  • Beispiele
    • Wirtschaftseigen: Jauche, Mist, Gülle, Hornspäne
    • Organisch: Kompost, Gründüngung aus Zwischenfruchtanbau
  • Humusbildung
  • Verwendung beim alternativen Landbau
  • Überdüngung führt zu stickstoffreichen Böden

Mineralische Dünger

  • Synonym: Handelsdünger, Kunstdünger
  • Nur fehlende Mineralien werden ersetzt
  • Beispiele:
    • Stickstoffdünger
      • Kalkammonsalpeter
    • Magnesiumdünger
    • Kombinationsdünger
      • Blaukorn
  • Nachteil: Hohe Kosten wegen vorheriger Bodenuntersuchung auf Nährstoffe

Pflanzenschutz

Allgemeines

  • Der Pflanzenschutz umfasst alle Bemühungen zum Schutz von Nutzpflanzen.
  • Unterteilung
    • Vorbeugende Maßnahmen
    • Direkte Maßnahmen (z.B. chemisch, mechanisch ...)
  • Gefahren

Vorbeugende Maßnahmen

  • Synonym: Indirekte Maßnahmen, präventive Maßnahmen, kulturtechnische Maßnahmen
  • Auswahl von widerstandsfähigen Pflanzensorten
  • Standortwahl
  • Fruchtfolge
  • Bodenbearbeitung
  • Saattechnik
Saattiefe

Chemische Verfahren

Allgemeines

  • Pflanzenschutzmittel sind das wirksamste und gefährlichste Verfahren
  • Karenzzeit: Mindestwartezeit zwischen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln und der Ernte der zugehörigen Kultur

Rechtliche Grundlagen

  • Sachkundenachweis für die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln notwendig
  • Höchstmenge: Gesetzlich zugelassene Menge an Pflanzenschutzmittel, die höchstens in oder auf Nahrungsmitteln vorkommen darf
  • Reste von Pflanzenschutzmittel müssen als Sondermüll entsorgt werden

Beispiele

  • Herbizide (gegen Unkraut)
  • Fungizide (gegen Pilze)
  • Molluskizid (gegen Schnecken)
  • Bakterizide (gegen Bakterien)
  • Insektizide (gegen Insekten)
  • Weitere gegen Nagetiere, Weichtiere und Milben

Mechanische Verfahren

  • Unkrautbekämpfung durch Bodenbearbeitung (Eggen, Fräsen)
  • Mulchen und Mähen (im Grünland) zur Eindämmung unerwünschter Pflanzenarten

Biologische Verfahren

  • Förderung von „Nützlingen“
  • Ausbringung nützlicher Mikroorganismen

Nützlinge

Biotopverbesserung für Vögel

Nistkasten

Integrierter Pflanzenschutz

  • Der integrierte Pflanzenschutz ist eine Mischung aus vorbeugenden und direkten Pflanzenschutzmaßnahmen unter möglichst geringer Verwendung von chemischen Pflanzenschutzmitteln.

Biologische Landwirtschaft

  • Die biologische Landwirtschaft verwendet wirtschaftseigenen Düngern und verzichtet auf chemische Pflanzenschutzverfahren.
  • Synonym: Alternative Landwirtschaft