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Wildverluste

Letzte Aktualisierung: 05.11.2021

Zusammenfassung

Die Ausbreitung des Menschen bedeutet für viele Wildarten eine Einschränkung des Lebensraums. So haben unter anderem die Folgen der intensivierten Landwirtschaft zu einem Rückgang der Niederwildbestände geführt. Auch das Recht der Bürger die Natur zur Erholung zu nutzen, führt zu Einschnitten in den Lebensraum des Wildes. Als Gegenmaßnahmen wird die Landwirtschaft kontinuierlich weiterentwickelt, um den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel einzuschränken und Biotope wiederherzustellen. Auch dem Ausweisen von Schutzgebieten wird ein zunehmend großer Stellenwert zugeschrieben.


Grundlagen

Allgemeines

  • Die zunehmende Ausbreitung des Menschen führt zu einer Einschränkung des Lebensraums von wild lebenden Tieren und Wild.

Ursachen

  1. Verlust von Lebensraum
  2. Landwirtschaft
  3. Straßenverkehr
  4. Freizeitdruck
  5. Jagddruck

    Lebensraumverlust

    Problem

    • Zunehmender Verlust von Ruhezonen, Deckung, Äsung und Brutgelegenheiten
    • Beunruhigung

    Ursachen

    • Landwirtschaft
      • Monokulturen: Die Ernte von Monokulturen führt zu einem plötzlichen Mangel an Deckung und Äsung (Ernteschock).
      • Flurbereinigung
      • Trockenlegung
    • Zivilisationsdruck
      • Straßenbau
      • Erschließung von Industrie-/Siedlungsgebieten

    Schutzmaßnahmen


    Landwirtschaft

    Allgemeines

    • Die Landwirtschaft führt indirekt durch eine Zerschneidung des Lebensraums zu einem Lebensraumverlust.
    • Außerdem führen direkte Schäden wie der Erntetod beim Mähen zu einer Verminderung von Wildtierbeständen.

    Ursachen

    Mähtod

    • Ursache: Beim Mähen oder Ernten werden durch große Erntefahrzeuge Gelege zerstört und Jungwild getötet.
    • Zunächst ist eine enge Kooperation mit den Landwirten zu den Mäh-/Ernteterminen notwendig, um konkrete Schutzmaßnahmen zu planen.
    • Absuche mit dem Hund
    • Wildretter an der Mähmaschine
    • Abschreckmaßnahmen
      • Aufstellen von Wildscheuchen vor dem Grasschnitt
      • Blinklichter
      • Verwittern: Mit fremden Duftstoffen Wild abschrecken (z.B. zum Schutz von erlegtem Wild vor Raubwild oder als Abschreckmaßnahme.
    • Absuche mit Drohne und Wärmebildkamera
    • Seltenere Mahd zu günstigeren Zeitpunkten
    Moderne Landwirtschaft Ernte

    Pflanzenschutz

    • Integrierte Landwirtschaft
    • Weniger chemische Pflanzenschutzmittel
    • Vermehrt natürliche Düngung (Brachen, Zwischenfruchtanbau)

    Straßenverkehr

    Problem

    • Der Straßenbau zerstückelt Biotope und verkleinert den Lebensraum.
    • Wildunfälle führen zu Wildtierverlusten.
    • Wildunfälle müssen unverzüglich an Polizei oder Jagdausübungsberechtigen gemeldet werden
    • Zu bestimmten Zeitpunkten treten Wildunfälle vermehrt auf:
      • Bei Schalenwild vermehrt während der Paarungszeit.
      • Gehäuft in der Morgen- und Abenddämmerung. (Äsungszeiten)

    Lokale Schutzmaßnahmen

    • Wildwarnreflektoren
    • Wildschutzzäune
    • Wildbrücken- und -tunnel
    • Duftzäune
    Tierbrücke aus der Luft

    Straßenrandgestaltung

    • Wildunfälle sind abhängig von der Vegetation im Bereich der Straße.
    • Die Umgebung von Straßen ist häufig mit attraktiver Äsung begrünt (z.B. Klee und Kräuter).
      • Hierdurch ist die Unfallgefahr erhöht.
    • Schutzmaßnahme: Am Straßenrand sollten Gräser gesät werden, die von Wild nicht gerne angenommen werde (z.B. Binse).

    Schwarzwild als Opfer eines Verkehrsunfalls

    Wildablenk-Äsungsflächen

    • Bei den Ablenk-Äsungsflächen werden attraktive Äsungsflächen fern von der Straße angelegt.
      • So werden Wildtiere weg von der Straße „gelenkt“.
    • Häufig sind die Ablenkflächen zu nah an Straßen, was wiederum zu vermehrten Wildunfällen führt.

    Freizeitdruck

    Problem

    • Bürger haben das Recht die Natur zur Erholung zu nutzen. (§ 59 BNatSchG )
    • Wild benötigt jedoch Ruhe.
    • Häufig haben besonders instabile Ökosysteme einen sehr hohen Freizeitwert.
      • Gebirgsökosystem (im Winter) → Wintersportgebiete

    Folgen

    Störungsanfällige Wildarten

    Schutzmaßnahmen

    • Aufklärung der Bevölkerung
    • Ausweisen von Ruhezonen und Wildschutzgebieten
    • Betretungsverbote und örtliche Lenkung der Besucherwege
    • Schutzgebiete

    Jagddruck

    Allgemeines

    • Jagddruck ist die Beeinträchtigung des Wildes durch eine zu intensive Bejagung. Hierdurch wird der Lebensrhythmus des Wildes gestört und es wird heimlich.

    Ursachen

    Folgen

    Gegenmaßnahmen

    Intervalljagd

    • Definition: Hohe Bejagungsintensität in kurzen Zeitintervallen
    • Anpassung an Rhythmus des Wildes → „Günstige Zeiten“
    • Lange Pausen zwischen den Jagden
    • Vorteil: Verringerung des Jagddrucks bei geringem Zeitaufwand

    Schwerpunktbejagung

    • Definition: Bejagung von Flächen, die zu Wildschäden neigen (z.B. Neuaufforstungen)
    • Voraussetzung: Große Waldreviere
    • Vorteil: Verminderter Wildschaden
    • Nachteil: Hoher Aufwand für Jagderfolg

    Schutzgebiete

    Allgemeines

    Wildschutzgebiete

    • Flächen zum Schutz von Wildarten, zur Wildschadensverhütung und zur Wildforschung
    • Festlegung durch Verordnung der Unteren Jagdbehörde
    • Betretungsverbote können zum Schutzzweck erlassen werden
    • Regelungen zur Jagdausübung durch die Gesetze der Länder

    Naturschutzgebiete (§ 23 I BNatSchG )

    • Schutz von Natur und Landschaft zur Erhaltung von Lebensgemeinschaften wildlebender Tierarten
    • Gründe für die Ausweisung von Naturschutzgebieten
      • Besonderer Schutz ist notwendig für die Erhaltung wildlebender Tierarten.
      • Schutz wegen der Seltenheit des Biotops oder der außergewöhnlichen Schönheit

    Schild Naturschutzgebiet

    Jagd in Naturschutzgebieten

    • Erlaubnis oder Beschränkung abhängig von Naturschutzgebietsverordnung
      • Jagdverbote je nach Wildart und während der Brutzeiten
      • Aufstellen von Hochsitzen kann verboten sein
    • Je nach Naturschutzgebiet gibt es Verbote zur Fütterung von Wild.
    • Einschränkung von Wildäsungsflächen

    Nationalparks (§ 24 BNatSchG )

    • Großräumig erhaltene und besondere Gebiete
    • Höchste Schutzkategorie für Landschaftsteile
    • Das Ziel von Nationalparks ist der ungestörte Ablauf der Naturvorgänge.
    Nationalpark Berchtesgaden mit Blick auf den Königssee

    Biosphärenreservate (§ 25 BNatSchG )

    • Großräumige Gebiete
    • Vereinbarung von Naturschutz und Landnutzung
    • Kernzone → Naturschutzgebiet
    • Pflegezone → Erhalt durch den Menschen geschaffener Ökosysteme
    • Entwicklungszone → Entwicklung schonender Landwirtschaftsverfahren
    Biosphärenreservat an der Elbe

    Landschaftsschutzgebiete (§ 26 BNatSchG )

    Schild Landschaftsschutzgebiet

    Naturparks (§ 27 BNatSchG )

    • Großräumige Gebiete
    • Dienen der Erholung

    Naturdenkmäler (§ 28 BNatSchG )

    • Rechtlich festgelegte Schöpfungen der Natur bis 5 ha
    • Gründe für besonderen Schutz
      • Wissenschaftliche, naturgeschichtliche oder landeskundliche Gründe
      • Seltenheit, Eigenart, Schönheit
    • Beseitigung, Veränderung oder Beschädigung von Naturdenkmälern sind verboten.